GovTech-Lösungen

Innovationen beschaffen, statt die Beschaffung zu innovieren

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Auf Ihrer Plattform sind ca. 5.000 GovTech-Lösungen ausgewiesen, wie kommen Sie an die Informationen zu marktfähigen Produkten?

Kilian: Wir nutzen gut 40 Unternehmensdatenbanken, die wir mit unserem System regelmäßig screenen. Insgesamt haben wir uns über 50.000 Unternehmen in Europa mit Blick auf relevante Produkte für den öffentlichen Sektor angeschaut. Es ist nicht so leicht zu beurteilen, welche Produkte relevant sind, und vor allem zu Beginn hat das viel händische Arbeit bedeutet. Wir sind aber überzeugt, dass es diesen manuellen Aufwand einmal gebraucht hat, um die 5.000 Produkte wirklich gut zu kategorisieren. Mittlerweile kommen immer mehr Unternehmen eigenständig auf uns zu, die auf MIRA verzeichnet werden möchten, das macht es uns leichter.

Inwieweit prüfen Sie die Angaben zu den Produkten und deren Marktfähigkeit?

Kilian: Wir prüfen unter anderem die Referenzen: Bei europaweiten Ausschreibungen können wir zum Beispiel nachverfolgen, ob ein Unternehmen den Zuschlag erhalten hat und übernehmen dies in unsere eigene Datengrundlage. Wenn ein Anbieter auf seiner Webseite allerdings willentlich falsch informiert, können wir hierfür nicht haften. Das ist in der Realität aber noch nie vorgekommen, denn Anbieter würden sich mit unrichtigen Angaben ja selbst schaden.

Haben Sie einen Einblick, wie die Nutzung der Plattform in der Praxis in die internen Vergabeprozesse eingebunden ist?

Kilian: Das ist ein wichtiger Punkt. MIRA kommt aktuell insbesondere bei der Markterkundung zum Einsatz, also vor dem formalen Beginn einer Ausschreibung. Hier geht es darum, erst einmal zu verstehen, welches Problem mit einer zu beschaffenden Lösung adressiert werden soll und welche passenden Lösungen der Markt bereithält. Das Vergaberecht lässt eindeutig Raum für diese Auseinandersetzung mit möglichen Lösungen, der allerdings häufig nicht intensiv genug genutzt wird.

Der initiale Impuls, um MIRA zu nutzen, kommt aktuell häufig aus den Vergabestellen, die ein besonderes Interesse daran haben, dass eine Markterkundung ordentlich durchgeführt wird. Denn eine genaue Marktkenntnis hat positiven Einfluss auf die Qualität von Ausschreibungsunterlagen und erhöht in der Regel die Anzahl der Bieter. „Innovation Procurement“ ist aber kein Thema nur für die Vergabestellen, es kommt hier vielmehr auf eine ressortübergreifende Zusammenarbeit an.

Inwieweit sind die anderen Ressorts, die Fach- und IT-Abteilungen involviert?

Kilian: Es ist tatsächlich ein Zusammenspiel. Die IT-Abteilung muss die Eignung aus technischer Sicht beurteilen. Und die eigentlichen Nutzer, die Fachabteilungen, müssen ein Gefühl dafür bekommen, ob die Lösung auch passt und im täglichen Betrieb genutzt werden kann. Wer treibende Kraft bei der GovTech-Beschaffung ist, kann sich unterscheiden: Das kann der zentrale Einkauf sein, in manchen Fällen die IT-Abteilung, die eine übergreifende Lösung für die gesamte Organisation nutzen will, oder eben die Fachabteilung. Aber es sind immer diese drei Akteure, die zusammenwirken müssen; hinzu kommen in der Regel noch die verantwortliche Person für Datenschutz. Und unsere Erfahrung zeigt: Es müssen wirklich alle mitziehen. Wenn auch nur einer der genannten Akteure nicht will, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Innovation in den Einsatz kommt, enorm.

Weiterführende Informationen

Start-up Beschaffungsindex

Die Universität der Bundeswehr München und der Staat-up e.V. haben die auf ted (Tenders Electronic Daily) verfügbaren Daten zu EU-Vergaben von 2011 bis 2021 ausgewertet, um den Anteil der an Start-ups in Deutschland vergebenen Aufträge zu ermitteln. Künftig sollen auch Daten direkt erhoben werden, Staat up e. V. hat daher Beschaffungsstellen der Öffentlichen Verwaltung zum Mitmachen aufgerufen – Hamburg hat bereits seine Beteiligung bekanntgegeben.

Umfrage zur Lage von GovTech inDeutschland

Wie GovTech-Unternehmen in Deutschland selbst ihre Zusammenarbeit mit der Öffentlichen Verwaltung sehen, haben GovMind und das beim Staatsministerium Baden-Württemberg angesiedelte InnoLab_bw im Sommer 2022 in einer Umfrage untersucht.

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