Die digitale Transformation meistern Gute Vorbereitung ist die „halbe Miete“

Von Ammar Jamal und Claus von Schmeling 4 min Lesedauer

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Digitalisierungsprojekte erfordert ein strategisches Vorgehen. Das umfasst einerseits eine adäquate Vorbereitung, andererseits den Einsatz geeigneter Tools wie Low-Code-Lösungen.

Entwickeln ohne traditionellen Code – das ermöglichen sogenannte Low-Code-Plattformen mithilfe von grafischen Tools und eingebetteten Funktionen.(Bild:  VectorMine – stock.adobe.com)
Entwickeln ohne traditionellen Code – das ermöglichen sogenannte Low-Code-Plattformen mithilfe von grafischen Tools und eingebetteten Funktionen.
(Bild: VectorMine – stock.adobe.com)

Die digitale Transformation ist allgegenwärtig und erfährt ein hohes Maß an Dynamik, um Missstände zu beheben. Die Zeiten, in denen sich der digitale Wandel rein auf die Privatwirtschaft konzentriert, sind längst passé. Denn auch Organisationen des öffentlichen Sektors haben den Handlungsbedarf erkannt und stehen vor großen Herausforderungen und Umbrüchen.

Für die digitale Transformation von Unternehmen und Organisationen gibt es jedoch keine allgemeingültige Formel oder einen stereotypischen Ansatz. Die Absprungbasis vom aktuellen IST-Zustand, sowohl im Vergleich von Privatwirtschaft und dem öffentlichen Sektor als auch innerhalb der jeweiligen Organisationen des öffentlichen Sektors, könnte unterschiedlicher nicht sein.

Doch eines gilt übergreifend: Die Fähigkeit der ständigen Anpassung der IT-Systeme ist sehr entscheidend, um die Organisation kontinuierlich weiterentwickeln und modernisieren zu können. Ein erster Schritt zu einer zukunftsorientierten Ausrichtung ist beispielsweise die Umsetzung eines digitalen Arbeitsplatzes. Dieser vereint alle nötigen Anwendungen und Daten, die für die erfolgreiche Bearbeitung der täglichen Aufgaben notwendig sind. Zugleich ermöglicht der digitale Arbeitsplatz einen schnellen Austausch und eine effektive Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Organisation.

Ein Readiness-Check zur Ermittlung des Reifegrads

Vor der Umsetzung eines jeden Digitalisierungsvorhaben gilt es, zu prüfen, welche Rahmenbedingungen innerhalb der Organisation vorliegen und welcher Reifegrad im Sinne eines „Digitalisierungs-Readiness“ in dieser Ausgangssituation vorliegt. Diese Standortbestimmung kann mit Hilfe eines sogenannten Readiness-Checks erfolgen. Dieser ist ein strukturierter Ansatz und verhilft zu Transparenz hinsichtlich relevanter Erfolgsfaktoren für Digitalisierungsvorhaben. Die im Ergebnis aufgezeigten Handlungsbedarfe stellen die Voraussetzungen dar, die für eine erfolgreiche Umsetzung herzustellen sind. Damit wird die Readiness der Organisation erhöht und die Basis für eine erfolgreiche Implementierung eines „digitalen Arbeitsplatzes“ gebildet.

Darüber hinaus hilft der Readiness-Check dabei, die im Zuge der anstehenden Projekte geplanten Digitalisierungsmaßnahmen bezüglich des Scopes bestmöglich zu definieren. Im ersten Schritt wird anhand von fünf Dimensionen der IST-Zustand Ihres Unternehmens abgefragt und die Digitalisierung in einzelnen Bereichen bewertet. Abgefragt werden die Innovations- und Digitalisierungsfähigkeit ihrer Organisation. Dazu zählen die Unternehmensstruktur, Unternehmenskultur, die digitalen Kompetenzen des Teams und der aktuelle Stand der Transformation.

Auf Basis der Analyse wird der Handlungsbedarf aufgedeckt sowie aufgezeigt, wie Sie durch konkrete vorbereitende Aktivitäten digitale Potentiale erschließen können. In der Praxis lässt sich beispielsweise beobachten, dass die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oftmals heterogen ausgeprägt ist. Auch lässt sich regelmäßig feststellen, dass zwar grundlegende Voraussetzungen in der IT bereits vorliegen, es allerdings an für die Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben entscheidenden Instrumenten fehlt, wie beispielsweise die Lizensierung, Bereitstellung und Schulung von Kollaborationstools.

Zusätzlich wird auf die Expertise weiterer vergleichbarer Organisationen zugegriffen, welche bereits den Readiness-Check durchlaufen haben. So ergeben sich weitere wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungswerte, die in die jeweilige Gesamtbetrachtung miteinbezogen werden können.

Als Ergebnis des Readiness-Checks wird ein individuelles Anforderungsranking erstellt. Dieses zeigt eine mögliche empfohlene Priorisierung und zeitliche Einordnung der Handlungsbedarfe sowie der Umsetzungsprojekte auf. Ergänzend werden auch Empfehlungen zu möglichen modernen Umsetzungstechnologien aufgezeigt.

Der Einsatz von Low-Code-Plattformen

Eine typische Technologieempfehlung ist die Nutzung von Low-Code-Lösungen. Low-Code-Plattformen sind typischerweise Softwareentwicklungsumgebungen, die es Benutzern ermöglichen, Anwendungen mit minimalem Handcodieren zu erstellen. Diese Plattformen bieten eine visuelle Entwicklungsumgebung mit Drag-and-Drop-Funktionen sowie vorgefertigte Bausteine und Komponenten, um den Entwicklungsprozess zu beschleunigen. Durch die Abstraktion von komplexem Code können auch Personen ohne tiefgehende Programmierkenntnisse Anwendungen erstellen und anpassen. Low-Code-Plattformen fördern die Zusammenarbeit zwischen Entwicklern und Fachanwendern und beschleunigen die Bereitstellung von Anwendungen und Lösungen.

Dank des Einsatzes von Low-Code-Lösungen können beispielsweise – abhängig von der jeweiligen Komplexität der Umsetzung – kleinere Digitalisierungsvorhaben bereits nach wenigen Tagen und Wochen entwickelt und produktiv genutzt werden. Ermöglicht wird dies u.a. durch die Entwicklung einer vollständig funktionalen Applikation auf Basis modularer Vorlagen und Bausteinen sowie der Möglichkeit einer hohen, kundenseitigen Wiederverwendbarkeit von bereits vormals entwickelten und existierenden Modulen.

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Unterstützt wird die rasche Umsetzung von einem Citizen-Development-Ansatz. Dieser zielt darauf ab, dass auch Fachbereichsentwickler ohne spezifische IT-Fähigkeiten eng in die Entwicklungsarbeiten eingebunden werden, um entsprechende Anwendungen umzusetzen beziehungsweise anzupassen.

Kombination aus internen und externen Projektmitarbeitern

Die Umsetzung solcher Low-Code-Vorhaben erfolgt üblicherweise durch ein Team bestehend aus internen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie externen Dienstleistern. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, neben dem Lösungslieferanten auch unabhängige Beratungsunternehmen mit entsprechender fachlicher, technischer und methodischer Expertise in das Projekt zu involvieren.

Dies dient der Entlastung der internen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erlaubt eine zügige Umsetzung der Vorhaben, neben dem Tagesgeschäft. Ergänzend können diese den erforderlichen Know-how-Transfer organisieren sowie beschleunigen und damit das projektbezogene Wissen in die interne Organisation unterstützen. Auf diese Weise wird auch ein Beitrag dazu geleistet, diese Vorhaben „in time and budget“ abschließen zu können.

Fazit

Die Digitale Transformation ist nach wie vor in vollem Gange. Das Ziel ist, die eigene Organisation zu modernisieren und zukunftssicher aufzustellen, damit einen mittel- bis langfristiger Fortbestand zu ermöglichen. Aufgrund unterschiedlichster Startbedingungen kann kein allgemeingültiger und stereotypischer Ansatz als „Erfolgsformel“ definiert werden. Je nach Reifegrad gilt es daher, strategisch genau zu beleuchten, welche Voraussetzungen zu schaffen sind und welche Digitalisierungsvorhaben den größtmöglichen Hebel mit Blick auf die Generierung von Effizienzen bieten.

Eine mögliche und sich immer größerer Beliebtheit erfreuende Methode zur Umsetzung solcher Digitalisierungsmaßnahmen ist der Einsatz von Low-Code-Lösungen. Dieser moderne Technolgieansatz basiert auf einer modellgetriebenen Entwicklung und ermöglicht eine sehr enge, schnelle und gemeinschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen und der IT.

Richtig aufgesetzt, kann dieser Schulterschluss zwischen Fachbereich und IT ein Inkubator für eine neue Art der effizienten und zügigen Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen sein.

Die Autoren

Ammar Jamal ist Partner, People & Strategy, bei ­BearingPoint.
Claus von Schmeling ist Senior Manager, People & Strategy, bei BearingPoint.

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