Das große IT-Versagen der Behörden

Fällt jetzt das Cloud-Tabu?

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Die „Datenfalle“: Wovor warnen Experten?

Der Begriff „Datenfalle“ verdeutlicht verschiedene Risiken, die mit der Auslagerung sensibler Verwaltungsdaten in die Cloud einhergehen:

Unkalkulierbare Kosten

Zwar werben Cloud-Dienste mit kurzfristigen Einsparungen in Sachen Hardware und Wartung. Doch gerade bei öffentlichen Institutionen fallen oft hohe Kosten für ergänzende Maßnahmen an: spezielle Sicherheitskonfigurationen, erweiterte Support-Verträge, steigender Speicherbedarf oder zusätzliche Gebühren für den Datenverkehr. Hinzu kommen Ausgaben für Compliance-Prüfungen oder Audits, um den strengen deutschen Datenschutzanforderungen gerecht zu werden. Was zunächst günstig erscheint, stellt sich langfristig als Kostenfalle heraus. So hat allein Microsoft in den vergangenen Jahren die Preise sowohl für Azure als auch M365 erheblich gesteigert, teilweise um bis zu 40 Prozent.

Doch welche Software in den einzelnen Behörden genau eingesetzt wird und zu welchem Preis, ist unbekannt. Hierzu fehlen die erfassten Daten, die eine klare Übersicht über die eingesetzten Programme und ihre Kosten bieten würden. Diese mangelnde Transparenz erschwert nicht nur die Budgetplanung und die Kontrolle von Ausgaben, sondern hindert die Verwaltung auch daran, die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der eingesetzten Lösungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren.

Rechtliche Unsicherheit

Sobald Daten in Rechenzentren außerhalb Deutschlands oder Europas gespeichert werden – was bei US-Anbietern schnell der Fall ist – greifen Rechtsvorschriften anderer Länder. Dadurch entsteht eine undurchsichtige Lage, in der deutsche Datenschutzgesetze und internationale Vorgaben kollidieren. Behörden verlieren den direkten Einfluss darauf, wer letztendlich auf die Daten zugreifen darf oder welche Sicherheitsstandards tatsächlich eingehalten werden.

Eingeschränkte digitale Selbstbestimmung

Wenn Regierungen und Behörden zu stark und oft einseitig auf externe Cloud-Anbieter setzen, geben sie ein wichtiges Stück ihrer digitalen Souveränität ab. Nicht alle Anpassungen lassen sich flexibel umsetzen, weil der Cloud-Anbieter die Roadmap seiner Services bestimmt. Das beispielsweise dazu führen, dass wichtige Sicherheits-Updates oder maßgeschneiderte Erweiterungen nicht oder nur verspätet verfügbar sind. Der Staat verliert das letzte Wort über kritische Infrastrukturen, wenn er sie komplett aus den Händen gibt. Umgekehrt steigen die rechtlichen Anforderungen an IT-Sicherheit und Resilienz, wie etwa die NIS-2 Richtlinie einfordert.

Lock-in-Effekt

Wenn öffentliche Institutionen einmal in den Strukturen eines großen Cloud-Dienstleisters wie AWS, Google oder Microsoft gefangen sind, wird ein Ausstieg extrem teuer und komplex. Wechselkosten entstehen sowohl durch technische Anpassungen (Datenmigration, Kompatibilität der Anwendungen, Schulungen) als auch durch Vertragsklauseln und Lizenzmodelle, die auf eine langfristige Kundenbindung abzielen. Hinzu kommt der Abbau eigener personeller IT-Ressourcen. Dieser Lock-in-Effekt erschwert es immens, kurzfristig auf sicherere oder günstigere Angebote umzusteigen oder wieder zu einer On-Premises-Lösung zurückzukehren.

Risiken und Herausforderungen

Verlust der digitalen Souveränität

Mit dem Umstieg zu einer internationalen Cloud-Lösung geben Behörden einen Teil ihrer Gestaltungsfreiheit ab. Proprietäre Technologien machen es schwer, alternative Anbieter zu nutzen oder einzelne Software-Komponenten auszutauschen. Wenn Sicherheitsbedürfnisse sich ändern, zeigt sich häufig leider erst später, dass die Behörde nicht mehr in der Lage ist, eigenständig auf neue Bedrohungen zu reagieren.

Das Problem: Wer Infrastruktur und Datenhaltung auslagert, legt auch Sicherheitsfragen in fremde Hände. Statt selbst über die eigenen Daten zu wachen, sind Behörden auf die Zusagen und Geschäftsmodelle eines Konzerns angewiesen, der primär seine eigenen Interessen verfolgt. Bei Microsoft etwa wurden etliche beeindruckende Sicherheitskrisen in Cloud-Diensten zutage gefördert. Über Monate hinweg bewegten sich Hacker in den Systemen. Getoppt wurde dieser Security-GAU nur noch von der vielfach kritisierten unzureichenden Kommunikation des US-Unternehmens. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, bei sicherheitsrelevanten Vorgängen nicht darauf angewiesen zu sein, wie schnell ein externer Anbieter reagiert – gerade, wenn es um vertrauliche Staats- und Bürgerdaten geht.

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Gefährdung sensibler Bürgerdaten

Behörden verwalten sensible Daten aus den Bereichen Steuern, Sozialwesen, Gesundheitswesen und Polizei. Geraten solche Informationen in falsche Hände, hat das weitreichende Folgen für Bürgerrechte, Vertrauen in staatliche Institutionen und nicht zuletzt für die nationale Sicherheit. Internationale Cloud-Strukturen, die keine vollständige Transparenz über Speicherort und Zugriffsrechte bieten, erhöhen dieses Risiko.

Selbst bei umfassenden Sicherheitsvorkehrungen kann es zu gravierenden Datenschutzpannen kommen, wenn externe Systeme kompromittiert werden. Der Mangel an direkter Kontrolle über die gesamte IT-Infrastruktur ist ein kritischer Schwachpunkt.

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