SinkaCom-Vorstand Andreas Köninger im Interview

„Es braucht ein ‚digiloges’ Angebot“

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Wie sieht ein digiloges Angebot aus? Worauf gilt es dabei zu achten?

Köninger: Städte und Kommunen tendieren dazu, Insellösungen zu kaufen. Hier eine Webseite, dort ein Rätemanagementsystem für Protokolle und eine Stadt- sowie eine Parkapp dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Die Bürger wollen allerdings eine App für alles. Das heißt, zunächst muss die Stadt als Eigentümer der städtischen Kommunikation fungieren. Sie muss das nicht alles selbst machen, aber sie muss es verantworten. Dann sollte sie sich lokale Partner suchen, die geeignet sind, die Aufgaben operativ zu begleiten und dabei immer darauf achten, dass jede eingesetzte digitale Lösung standardisierte Schnittstellen anbietet, die zur Integration anderer Lösungen genutzt werden können.

Zudem müssen sich die Städte und Kommunen klar sein, welches Ziel sie mit der Anwendung verfolgen: Was ist der Service für die Bürger, für die Menschen vor Ort, aber auch, was ist für die Verwaltung wichtig. Schließlich braucht es eine sauber definierte Zielbasis, auf die eine sogenannte Middleware bzw. Integration aufgebaut wird. Das heißt, ich habe im Hintergrund eine Integrationsschicht, mit der alle relevanten Anbieter – von Firmen über Veranstalter hin zum lokalen Medienhaus – verbunden sind. Alle werden unter dieses gemeinschaftliche Datendach geführt und darauf die Stadtapp aufgesetzt.

So entsteht eine App, in der das Rathaus mitsamt der Terminvereinbarung und mittelfristig sogar den OZG-Anträgen sowie die Inhalte der jeweiligen Kanäle integriert sind. Die Stadt bietet dafür dann unterschiedliche Module. Ein Beispiel: ein Modul, das die Angebote der Stadt für gutes und schlechtes Wetter – also drinnen und draußen – zeigt. Man kann angeben, in welchem Alter die Kinder sind und erhält die passenden Möglichkeiten aufgelistet. Dieses Modul brennt. Das finden alle cool.

Solche Dinge entstehen aber nicht am Schreibtisch, sondern aus Gesprächen auf der Straße. Sie glauben gar nicht, wie wenige Menschen alle Angebote ihrer Stadt kennen. Es sind die simplen Anwendungen, die so viel Nutzen bringen, dass die Leute sie regelmäßig benutzen.

Welche Hürden gibt es?

Köninger: Es fehlt an den Grundlagen. Beispielsweise gibt es keine gute Förderkulisse. Es gibt keinen Rahmen, der sagt, geht in die Richtung und probiert es. Probieren ist ein Wort, das es in der Förderkulisse nicht gibt. Da müssen wir aber hin, es geht schließlich um radikale Veränderungen.

Man muss immer wieder den Diskurs mit allen Beteiligten führen und die verschiedenen Interessen ausbalancieren – und auf dem Weg dorthin auch scheitern dürfen.

In Gemeinden unter 9.000 Einwohnern fehlt darüber hinaus häufig die nötige IT-Kompetenz. Wir reden schließlich über IT-Anwendungen, die ständig gepflegt, verbessert und erweitert werden müssen. Die Mitarbeiter müssen entsprechend aus- und weitergebildet werden.

Hilfreich wäre hier sicherlich auch ein Handbuch „Innenstadt 2030“. In diesem könnten gerade für die kleinen Gemeinden alle Maßnahmen gesammelt werden inklusive der benötigten Ausschreibungsunterlagen. Egal wie, das benötigte Knowhow muss auch in den Verwaltungen ankommen. Man kann dafür auch Beratungsteams aufbauen, die vor Ort unterstützen.

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