Sachsen

„Digitalisierung macht sich nicht mal eben in einem Jahr“

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Flächendeckung

„Das Thema Digitalisierung ist ein komplexes“, weiß Dylakiewicz. Seit sie den CIO-Posten in Sachsen übernahm, treibt sie die Modernisierung der Verwaltung voran, stößt aber auch immer wieder auf Hindernisse. In Sachsen sei das Erreichen einer Flächendeckung langwierig. „Im Bereich Governance sind wir gut aufgestellt“, sagt sie, „doch die Flächendeckung in einer sehr kleinteilig aufgestellten Gemeindestruktur zu organisieren, das ist die große Herausforderung.“ Hier müsse Sachsen besser werden. Und: „Das geht nur gemeinsam mit der kommunalen Ebene“, betont Dylakie-
wicz.

Rund 420 Städte und Gemeinden hat Sachsen, davon ein Großteil mit weniger als 5.000 Einwohnern. Das bedeutet: kaum Ressourcen sowie geringe Nachfrage digitaler Dienste – und damit wenig Bedarf vonseiten kleiner Kommunen, in Digitalisierung zu investieren.

Bündelung

Dylakiewicz verweist in diesem Zusammenhang auf das „zukunftsträchtige Thema Bündelung von Verwaltungsleistungen“ – auch im Hinblick auf eine mögliche Verlagerung von Fachverfahren, die zentral von Bund oder Land aus wahrgenommen werden können.

Ich halte sehr viel vom Thema Standardisierung und Bündelung, das ist der Weg, den auch Sachsen gehen muss.

Dr. Daniela Dylakiewicz

Zentralisierte Dienste könnten gerade kleinen Kommunen zugutekommen. „Ich halte sehr viel vom Thema Standardisierung und Bündelung, das ist der Weg, den auch Sachsen gehen muss“, meint Dylakiewicz. Der politische Abstimmungsprozess sei zwar noch in einem sehr frühen Stadium, doch es sei klar, dass Standardisierung stärker als bisher festgeschrieben werden müsse, um Effizienz- und Entlastungspotenziale zu heben. „Je zentraler, je standardisierter ich agiere, umso besser kann ich einheitliche Lösungen anbieten, und umso besser kann auch der Freistaat unterstützen – organisatorisch und finanziell“, erläutert Dylakiewicz.

Die Sächsische Staatskanzlei an der Elbe in Dresden.(Bild: ©  traveldia – stock.adobe.com)
Die Sächsische Staatskanzlei an der Elbe in Dresden.
(Bild: © traveldia – stock.adobe.com)

Auch im Hinblick auf die Landschaft der kommunalen Rechenzentren und IT-Dienstleister müsse über Konsolidierung nachgedacht werden. „Wir haben eine sehr vielfältige, zersplitterte IT-Dienstleisterlandschaft. Dieses Thema wollen wir gemeinsam mit der kommunalen Ebene angehen“, kündigt die CIO an und macht klar: „Bei steigenden Kosten für die Digitalisierung müssen wir schauen, wo wir bündeln und wo wir unsere Kräfte konzentrieren können.“

Strategisches Vorgehen

Die meisten Projekte, die 2025 begonnen oder fortgesetzt wurden, bleiben 2026 bestehen. „Digitalisierung macht sich nicht mal eben in einem Jahr“, betont die CIO. „Viele Themen bleiben Dauerthemen, da sind Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen gefragt.“ Es brauche ein gewisses Stehvermögen, wenn man vorankommen möchte.

Für den strategischen Unterbau wird gesorgt. Derzeit wird das Sächsische E-Government-Gesetz überarbeitet. „Wir wollen das Gesetz modernisieren, wir wollen flexible, zukunftsfähige Regelungen und damit eine Rechtsgrundlage schaffen für eine digitale Verwaltung der Zukunft“, erklärt Dylakiewicz. Dies sei ein komplexer Prozess, der im Schulterschluss mit dem Landkreistag und dem sächsischen Städte- und Gemeindetag angegangen werde. Im Zuge dieses Prozesses wird der Name „E-Government-Gesetz“ verschwinden – die rechtliche Grundlage wird zum „Digitalfördergesetz“. Das Thema „Training von künstlicher Intelligenz“ werde wohl seinen Weg in das neue Gesetz finden, die Prüfung hierzu laufe derzeit. Und selbstredend sollen die Bereiche Standardisierung und Zentralisierung im Digitalfördergesetz geregelt werden.

Digitalisierung soll ein Werkzeug sein, das Politik ermöglicht.

Dr. Daniela Dylakiewicz

Für die Kommunen soll es trotzdem genügend Gestaltungsspielraum geben, doch laut Dylakiewicz habe sich hier die Diskussion verändert: „Die Kommunen fassen Digitalisierung mittlerweile als Hilfestellung auf und erkennen, dass Standardisierung zu Effizienzgewinnen führt.“ Die CIO verdeutlicht: „Digitalisierung soll ein Werkzeug sein, das Politik ermöglicht.“

Sachsen würde es begrüßen, wenn auch der Bund mehr zentrale Angebote mache. Doch die Initiativen des Bundes und des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) könnten nur dann erfolgreich werden, wenn auch die Länder und Kommunen zu Kompromissen bereit seien. „Verwaltungsdigitalisierung ist keine Aufgabe, die dem BMDS alleine zukommt. Wir sitzen alle in einem Boot“, betont Dylakiewicz.

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