„Erneuter PISA-Schock wegen Digitalisierung?“ Digitale Schulen: Stiftungsvorstand äußert Kritik

Von Chiara Maurer 2 min Lesedauer

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Die aktuellen PISA-Ergebnisse stellen nicht nur Deutschland, sondern das gesamte europäische Bildungssystem vor große Herausforderungen. Nun äußert sich Jürgen Biffar, Vorstand der Stiftung Digitale Bildung, zu den Entwicklungen und dazu, was die digitale Infrastruktur an Schulen damit zu tun hat.

Mit der Lernsoftware „Brainix“ können Schülerinnen und Schüler Lernstoff weitgehend selbstständig erarbeiten.(©  Stiftung Digitale Bildung)
Mit der Lernsoftware „Brainix“ können Schülerinnen und Schüler Lernstoff weitgehend selbstständig erarbeiten.
(© Stiftung Digitale Bildung)

Die Ergebnisse der diesjährigen PISA-Studie sind verheerend, denn während Deutschland bereits in den vergangenen Jahren einen Negativ-Trend verfolgte, können auch die Dauer-Spitzenreiter im Norden ihre Ergebnisse nicht halten und überraschen, mit Ausnahme von Estland, mit stark abgesunkenen Werten. Grund dafür sollen in allen Ländern die Nachwirkungen des Corona-Lockdowns sowie der Fachkräftemangel sein.

„Aus Sicht der Stiftung Digitale Bildung, die sich seit 2019 intensiv mit dem Einsatz digitaler Medien im Unterricht beschäftigt, ist das Ergebnis nicht verwunderlich“, so Jürgen Biffar, Vorstand der Stiftung Digitale Bildung. In einem Meinungsbeitrag führt er die negativen Resultate jedoch nicht nur auf die Nachwirkungen des Lockdowns und das Fehlen an Lehrkräften zurück, sondern auch auf die wenig durchdachte Digitalisierungsstrategie im Bildungsbereich.

Während die schlechten Ergebnisse der Studie von vielen auch auf den zunehmenden Einsatz digitaler Endgeräte im Unterricht und für Hausaufgaben zurückzuführen seien, da entsprechende Hardware missbräuchlich für Computerspiele eingesetzt werde, moniert auch Biffar den Umgang mit den Geräten. Jedoch kritisiert er stattdessen, dass die alleinige Konzentration auf eine gute digitale Infrastruktur und die Ausstattung der Kinder mit Endgeräten nicht ausreiche. In vielen Ländern, auch in Nordeuropa, habe dies sogar zu einem Absinken des Bildungsniveaus geführt. Die Verantwortung für den sinnvollen Einsatz digitaler Medien wird oft an Schulen und Lehrkräfte abgegeben, die im Umgang mit diesen nicht ausreichend geschult deshalb überfordert seien.

„Doch eine intensive Beschäftigung mit Lernsoftware ist in der Regel leider nicht möglich. Da verwundert es nicht, dass die meisten auf Naheliegendes zugreifen und sich auf digitalisierte Schulbücher oder andere einfache digitale Medien beschränken, die kostenlos oder sehr günstig sind, aber nur wenig didaktischen Mehrwert bieten. Für hochwertige Lernsoftware steht außerdem kein Geld zur Verfügung“, so Biffar.

Die Stiftung Digitale Bildung hat als Reaktion darauf das ganzheitliche Lernsystem „Brainix“ entwickelt. Dieses ermöglicht es Schülerinnen und Schülern, den Lernstoff weitgehend selbstständig zu erarbeiten, während Lehrkräfte den Fortschritt überwachen und unterstützend eingreifen können. Die positive Resonanz aus Pilotprojekten zeigt, dass ein solches System die Konzentration und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler steigern kann.

Besonders alarmierend sei außerdem, so Biffar, der Anstieg der Bildungs-Ungleichheit in Deutschland. Er kritisiert die fehlende differenzierte Förderung benachteiligter Kinder in Deutschland. Auch hier könne ein Lernsystem, das Kompetenzen vermittelt und nachhaltig einübt, Abhilfe schaffen.

Der Vorstand der Stiftung Digitale Bildung appelliert an die Schulen, Ministerien und Lehrkräfte, die Digitalisierung im Bildungsbereich kontrolliert voranzutreiben. Er betont, dass eine effiziente Nutzung hochwertiger Software, die ein ganzheitliches digitales Lernsystem beinhaltet, vergleichbar mit der Entwicklung in der Wirtschaft, zur Bewältigung des Fachkräftemangels und zur Verbesserung der Bildung beitragen kann. Er erklärt: „Dazu bedarf es in den Bildungs- und Kultusministerien beherzter Führung, mehr Digitalkompetenz zur Entwicklung ausgefeilter Konzepte für die Schulen und eine Verlagerung der Digitalbudgets von der Hardware hin zu hochwertiger Software – wie vor 20 Jahren in der Wirtschaft.“

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