Innovationsökosysteme im öffentlichen Sektor Die Innovationsexpedition beginnt

Ein Gastbeitrag von Laura Detels 5 min Lesedauer

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Mit einem Marktvolumen von rund 166 Milliarden Euro bieten sie größtenteils ungenutzte Potentiale: GovTechs, also Start-ups oder klein- und mittelständische Unternehmen, die sich auf die Bereitstellung von Produkten für Verwaltungen fokussiert haben. Wir wollen gemeinsam abtauchen in die Welt der Government Technologies (GovTechs) und der inno­vativen Vergabearten, um zu erkunden, wie wir junge Unternehmen und Verwaltungen noch besser zusammenbringen können und, um eine umfassende Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen und internen Prozessen zu fördern.

GovTechs sind Start-ups oder Kleinunternehmen, die sich auf die Bereitstellung von Produkten für Verwaltungen spezialisiert haben.(©  Damian Sobczyk - stock.adobe.com)
GovTechs sind Start-ups oder Kleinunternehmen, die sich auf die Bereitstellung von Produkten für Verwaltungen spezialisiert haben.
(© Damian Sobczyk - stock.adobe.com)

Diese Gastbeitragsreihe ist das ­Ticket für eine Reise zu aktuellen Entwicklungen und Lösungen. Lassen Sie uns deshalb mit der Frage beginnen: Was sind Innovationsökosysteme im öffentlichen Sektor und wie können wir sie erfolgreich etablieren?

Mut, neue Wege zu gehen

Innovationseinheiten und -ökosysteme – Schlagworte, die wir alle kennen. Aber was meinen wir eigentlich damit? Während Erstere organisatorische Bereiche zur Förderung von Innovationen innerhalb einer Verwaltung darstellen, meinen Innovationsökosysteme institutionalisierte, vielfältige Netzwerke innerhalb einer Verwaltungseinheit. Sie dienen dazu, den Public Sector, die Privatwirtschaft, die Wissenschaft und die Zivil­gesellschaft miteinander zu verbinden und Synergien aus allen Bereichen zu schaffen. Das kann zum Beispiel bedeuten, ressort- und fachübergreifend nutzerzen­trierte Lösungen zu erarbeiten oder Produkte von GovTechs im geschützen Rahmen zu pilotieren und durch partizipative Ansätze weiterzuentwickeln.

Ein Beispiel für ein Innovationsökosystem bietet die Plattform GovMarket, auf der Start-ups, etablierte Technologieunternehmen und fast 400 Lösungen transparent dargestellt und nahtlos mit dem öffentlichen Sektor verbunden werden – national, zentral und auf allen föderalen Ebenen, über Verwaltungseinheiten und Fachbereiche hinweg. Wie in anderen Einheiten, zum Beispiel GovTechHH, finden Verwaltungsmitarbeitende hier Raum und Möglichkeiten, spezifische Herausforderungen zu formulieren. Mit GovMarkets Plattform wird zudem der gesamte Beschaffungsprozess von der Bedarfsanalyse über die Sondierung bis zur Vergabe aktiv gestaltet und begleitet.

Dennoch brauchen Innovationsökosysteme Pflege und Geduld: Es braucht Mut, um „trial and error“-Ansätze zu testen, und es braucht eine Kultur, die es erlaubt, aus Fehlern zu lernen, um eine iterative Entwicklung zu ermöglichen. Dann können sie in die Lage versetzt werden, sich selbst zu befruchten und nachhaltig zu wachsen. Aus einer Brise wird so ein starker Rückenwind in den Segeln der Öffentlichen Verwaltung.

Potenziale des Vergaberechts ausloten

Die öffentliche Vergabe kann der Ausgangspunkt eines wachsenden Innovationsökosystems sein: Leuchtturmprojekte in diesem Bereich zeigen, wie vielfältig das Vergaberecht genutzt werden kann, um öffentliche Auftraggeber und junge Unternehmen zusammenzubringen. Und dass es notwendig ist, umzudenken, ist deutlich: Zwischen 2014 und 2021 wurden in Deutschland rund 15.000 öffentliche Aufträge vergeben. Nur rund ein Prozent davon ging an Start-ups und kleine oder mittelständische Unternehmen. Trotzdem bietet das Vergabewesen spannende und effektive Instrumente, dessen Möglichkeiten noch oft unter dem Radar schwimmen. Dabei tragen Leuchtturmprojekte dazu bei, diese Potenziale sichtbar zu machen und andere zu ermutigen, sich aufs Wasser zu wagen. Wir müssen also nicht das Vergaberecht verändern, sondern nur die Art und Weise, wie wir es verstehen und nutzen, um Innovationsökosysteme zu initiieren.

So sind es zum einen die kurzfristig umsetzbaren Ansätze, die Veränderungen in der Zusammenarbeit ermöglichen. Ein Beispiel sind Standardeignungskriterien, die angepasst werden können, sodass sie tatsächlich diskriminierungsfrei sind und allen Bietern die Chance daliegt, an einer entsprechenden Ausschreibung teilzunehmen. Auch Freiheitsgrade sind vorhanden: Anstelle von Referenzen könnten zum Beispiel Lebensläufe der Personen, die ein GovTech-Produkt entwickelt haben, abgefragt werden und somit die Eintrittshürden gesenkt werden. Auch die Möglichkeiten der Vergabeverfahren selbst sind vielfältig und bieten moderne Instrumente. Dabei verfügt jedes Vergabeverfahren über Besonderheiten und eignet sich für verschiedene Fragestellungen. Insbesondere die folgenden zwei Beschaffungsverfahren eignen sich für die Vergabe an Start-ups und junge Unternehmen besonders.

Auf der nächsten Seite: Verschiedene Beschaffungsverfahren.

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