EN 50600

Die Einheitsnorm für Bau und Betrieb von Rechenzentren

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Der Teil 2.4 befasst sich nur mit der Verkabelung des Rechenzentrums, nicht mit der internen IT-Verkabelung im Rack und gibt auch hier Empfehlungen für die Verfügbarkeitsklassen. So schlägt die Norm bei den beiden höheren Verfügbarkeitsklassen hochwertige Kabeltrassen vor.

Für den Brandschutz müssen immer Brandmelder und Löscheinrichtungen vorhanden sein. In der höchsten Schutzklasse darf durchs Feuer der Betrieb des RZ nicht unterbrochen werden.

Ergänzendes zum Thema
Was ist, wenn die EN 50600 beim Rechenzentrumsbau ignoriert wird?

Am 5. Oktober veröffentlichte der Branchenverband Eco ein Interview mit Marc Wilkens, Leiter der Eco Kompetenzgruppe Data Center Efficiency und Mitglied im Normungsausschuss. Eine der Fragen lautete:

Die Norm enthält eine ganze Reihe von Anforderungen und Empfehlungen, die alle Projektbeteiligte betreffen. Was ist, wenn diese beim Rechenzentrumsbau ignoriert werden?

Marc Wilkens ist Leiter der Eco Kompetenzgruppe Data Center Efficiency und Mitglied im EN-50600-Normungsausschuss.
Marc Wilkens ist Leiter der Eco Kompetenzgruppe Data Center Efficiency und Mitglied im EN-50600-Normungsausschuss.
( Bild: Eco Verband der Internetwirtschaft e.V. )

Marc Wilkens: Das RZ entspricht dann unter Umständen nicht den „anerkannten Regeln der Technik“. Eine Zertifizierung nach EN 50600 ist dann nicht möglich. Solange die Anforderungen der EN 50600 eingehalten werden, besteht – beispielsweise bei den sicherheitstechnischen Festlegungen der EN 50600 – juristisch eine tatsächliche Rechtsvermutung dafür, dass sie fachgerecht als „anerkannte Regeln der Technik“ umgesetzt sind. Wenn die Anforderungen der EN 50600 nicht eingehalten werden, muss der Nachweis für eine fachgerechte Umsetzung (beispielsweise bei Mängeln) nachträglich mit viel Aufwand von den Verantwortlichen erbracht werden. Die Haftungsfrage ist dann unter Umständen sehr ungewiss.

Wartung und Betrieb werden im Normabschnitt 3 geregelt. Derzeit besteht er nur aus einem Element (3.1). Es ist aber in der Diskussion, ihn in drei Bereiche aufzugliedern, nämlich in Teil 3.1 (Überblick), Teil 3.2 (Management) und Teil 3.3. (Betrieb). Rütimann: „Da sich die Konzepte für Betrieb und Management derzeit schnell weiterentwickeln, würde das ausreichende Flexibilität garantieren. Man könnte dann den Bereich 3.1 mehr oder weniger stabil halten, während die Teile 3.2 und 3.3 laufend der Technologie-Entwicklung angepasst würden.“

Überholt und in Arbeit

Derzeit soll jedoch der heutige Bereich 3, der auch die genannten Unterbereiche umfasst, zunächst erst einmal im Frühjahr 2016 verabschiedet werden. Wann die angedachten Unterbereiche von Normabschnitt 3 entstehen, steht derzeit noch nicht fest. Die einzelnen Management-/Betriebsfunktionen orientierten sich an den bewährten Vorgaben von ITIL (IT Information Library) Version 3. Sie umfassen auch Verfügbarkeits-, Ressourcen- und Energie-Management mit der Ermittlung geeigneter Kennzahlen, die wiederum an die von The Green Grid erarbeiteten Parameter angelehnt sind.

Derzeit bereits in Arbeit befinden sich die Teile der Norm, die sich explizit mit Effizienz und Nachhaltigkeit befassen. Dies sind 4.1 (Überblick), 4.2 Power Usage Effectiveness (PUE) und 4.3 Renewable Energy Factor (REF), also der Anteil erneuerbarer an der gesamten verbrauchten Energie.

Teil 5 der Norm enthält Regeln für die stetige Optimierung des Rechenzentrumsbetriebs und legt dafür unter der Bezeichnung Teil 99-1 (TR) den European Code of Conduct for Datacentres zugrunde. TR steht hier für Technische Regel. Alle Regeln und Best Practises des Code of Conducts wurden übernommen.

Für die Teile 4 und 5 rechnet Rütimann mit einer Fertigstellung im Frühjahr 2017 – dem Zeitpunkt, an dem unter Umständen bereits wieder mit einer Durchsicht der allgemeinen Konzepte aus Teil 1 begonnen wird. Vorausgesetzt, die RZ-Technologie entwickelt sich so rasant weiter wie bisher, ist davon auszugehen, dass die Standardisierer der Norm EN 50060 dann wieder jede Menge zu tun bekommen.

* Ariane Rüdiger ist freie Journalistin aus München.

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