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Der Verwendungszweck definiert, welcher Verfügbarkeitsklasse ein Rechenzentrum zugeordnet wird. Deren gibt es vier. Das Rechenzentrum muss so gebaut werden, dass die Anforderungen der Verfügbarkeitsklasse erfüllt – etwa hinsichtlich Baumaterialien, Stromverteilung, Umgebungsbedingungen und Verkabelung. Je strenger die Anforderungen, desto größer wird naturgemäß der bauliche und anlagentechnische Aufwand. Rechenzentren der höchsten Verfügbarkeitsklasse müssen auch hinsichtlich der Versorgung mit Strom, der TK-Anbindung und der Umgebungsbedingungen so redundant ausgelegt werden, dass sie selbst während Wartungsfenstern weiter funktionieren.
Die Schutzklassen, von denen es ebenfalls vier gibt, sind von den Verfügbarkeitsklassen unabhängig und differieren zudem hinsichtlich unterschiedlicher Bedrohungsformen: Unterschieden wird zwischen dem Schutz vor unbefugtem Zugang, vor internen Bränden, anderen internen Gefahren und vor äußeren Gefahren.
Auch hier steigen die Detailanforderungen mit der Schutzklasse an. Nur beim Schutz vor äußeren Gefahren gibt es lediglich zwei Klassen (Klasse 1 und Klasse 2-4). Die Eignung eines geplanten Standortes für das Rechenzentrum wird entsprechend den Ergebnissen der Risikoanalyse gewählt. Dazu gehört zum Beispiel beim Brandschutz die Aufteilung in gegeneinander abgeschottete Brandabschnitte.
Unterschiedliche Schutzklassen in einem Rechenzentrum
Nicht alle Bereiche eines Rechenzentrums müssen derselben Schutzklasse angehören. Stehen mehrere inselartige Bereiche höherer Schutzklassen miteinander in Verbindung, so müssen auch die Verbindungswege der Schutzklasse des geschützten Raumes genügen. Ein Hochsicherheits-Rack benötigt also hochsichere Zuleitungen und Türkontrollen am Rack. Die Norm definiert typische Schutzklassen für bestimmte Raumtypen, so sind allgemeine Bürobereiche Schutzklasse 1, Netzwerkverteiler oder Rechnerräume Schutzklasse 4.
Während die Norm bei Schutz und Verfügbarkeit von Klassen spricht, definiert die Norm beim Thema Energie-Effizienz drei Granularitätsniveaus, die beschreiben, wie feinkörnig Daten zum Stromverbrauch und andere Parameter erhoben werden. Je höher das Granularitätsniveau, an desto mehr Stellen müssen entsprechende Sensoren montiert und Messwerte erhoben werden. Dieser Bereich der Norm wurde bereits 2012 abgeschlossen.
Alle drei Klassifizierungen (Schutz, Verfügbarkeit, Granularität der Effizienzmessungen) determinieren gemeinsam, wie im Detail das Rechenzentrum errichtet wird. Einen Rahmen für die Einzelheiten liefern die Normabschnitte 2.1 (Gebäudekonstruktion), 2.2 (Stromverteilung), 2.3 (Kontrolle der Umgebungsbedingungen), 2.4 (Telekommunikation und Verkabelung) und 2.5 (Sicherheitssysteme) finden.
Unvollendet, fertig, überarbeitet und neu erdacht
Während die Abschnitte 2.1 und 2.2 im ersten Quartal 2014 final abgestimmt wurden, geschah dies mit dem Bereich 2.3 (Umgebung) erst Ende 2014. Inzwischen befindet sich dieser Teil, wie oben erwähnt, schon wieder in Revision. 2.5 (Verkabelung) wurde im ersten Quartal 2015 fertiggestellt, Sicherheit soll Anfang 2016 folgen. Außerdem wird nicht jedes Detail vorgeschrieben, sondern es handelt sich um relativ generische Vorgaben, es besteht also Spielraum für situationsangepasste Detaillösungen.

Bei der Stromversorgung gibt die Norm verschiedene generische Designs für die unterschiedlichen Verfügbarkeitsklassen vor und legt fest, dass die Systeme so auszulegen sind, dass sie einen Energie-effizienten Betrieb ermöglichen. Der Aufbau muss also etwa die Implementierung von Messeinrichtungen, wie sie die geplante Granularität vorsieht, gestatten.
Hinsichtlich der Klima/Kältetechnik wird kein Kühlmittel vorgeschrieben, sondern die Norm beschreibt verschiedene mögliche Einrichtungen generisch, auch hier mit Varianten für die unterschiedlichen Verfügbarkeiten und Effizienzmessungs-Granularitätsniveaus. Für Elektro-, Kühl- und Klimaeinrichtungen schreibt die Norm Schutzklasse 3 vor.
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