Um datenbasiert handeln und entscheiden zu können, brauchen Mitarbeitende der Verwaltungen auch die nötige Datenkompetenz – worauf es dabei ankommt und welche Rolle ein Transfer Hub des BMBF und die Datenlabore in den Ministerien spielen.
Datenkompetenz wird zu einer der gefragtesten Expertisen auf dem Arbeitsmarkt.
Datenkompetenz – die Fähigkeit, Daten zu sammeln, zu managen, kritisch zu bewerten und zielgerichtet zu nutzen – wird künftig so wichtig sein wie heute die Fähigkeit, einen Computer zu bedienen. Dieser Aussage stimmen in einer Umfrage in mehreren Ländern (Qlik, 2022) 85 Prozent der befragten Führungskräfte zu. Wenn die Bundesregierung in ihrer Datenstrategie den öffentlichen Verwaltungen datenbasiertes Handeln zur Aufgabe macht, dann ist genau diese Kompetenz die Voraussetzung dafür. Aber inwieweit verfügen die Mitarbeitenden in den Verwaltungen über die entsprechenden Fähigkeiten? Das lässt sich, zumal speziell für den Public Sector, derzeit gar nicht genau sagen. Denn dafür fehlen: Daten. Eine erste deutschlandweite Erhebung zur Datenkompetenz der Bevölkerung allgemein ist Mitte Oktober erst angelaufen. Doch wenn in der erwähnten Qlik-Studie nur 7 Prozent der befragten deutschen Arbeitnehmer angeben, voll auf ihre Data-Literacy-Fähigkeiten zu vertrauen, lässt das auf Handlungs- und Weiterbildungsbedarf schließen.
„Datenkompetenz will erlernt sein“
Diesen Handlungsbedarf adressiert auch die Bundesregierung in ihrer Datenstrategie: Die Befähigung der Menschen im Umgang mit Daten sei für die digitale Transformation unverzichtbar und „Datenkompetenz will erlernt sein“ – bereits in der Schule, aber auch während des lebenslangen Lernens. Aber was ist konkret zu tun, um Datenkompetenzen und Datenkultur verbessern? Ein Impulspapier für eine entsprechende Roadmap haben Experten aus Wissenschaft, Bildung, Unternehmen und Verbänden im Auftrag des BMBF bereits erarbeitet. Für die Umsetzung hat das BMBF im Oktober den Aufbau eines Transfer-Hubs Datenkompetenzen gestartet, der sich bis Ende 2024 drei Aufgaben widmen soll:
1. Vernetzung und Förderung von Synergien innerhalb der Community,
2. Datenkompetenz-Niveaus der Bevölkerung sowie verfügbare Bildungsangebote sichtbarer machen – die Plattform sollte also einen Überblick geben,
3. Kompetenztransfer in den Verwaltungen: Anhand konkreter Anwendungsfälle in zwei Behörden sollen evidenzbasierte Entscheidungen in der Verwaltung gestärkt werden.
Welche Fragen sich stellen
Worauf es dabei grundsätzlich ankommt, hat Organisationssoziologin Dr. Anne Krüger vom Weizenbaum Institut in der Auftaktveranstaltung zum Transfer-Hub erläutert. Denn bei der Suche nach geeigneten Daten sind nicht nur datenschutzrechtliche Vorgaben zu beachten, sondern immer auch Kontext und Qualität zu hinterfragen:
Was ist in diesen Daten tatsächlich abgebildet – und was nicht?
Im nächsten Schritt: Wie werden aus Daten Informationen, wie werden sie aufbereitet und welche Kenntnisse braucht es dazu?
Und schließlich: Wie werden auf Basis dieser Informationen Entscheidungen getroffen?
Denn Datenkompetenz bedeute auch zu verstehen, so Krüger, wie Daten in den Entscheidungsprozess eingebunden werden – als Informationsquelle für Experten oder aber als Input für Softwareprogramme, bis hin zu automatisierten Entscheidungen.
Datenlabore lernen voneinander
Genaueres zu diesen Behördenprojekten war zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht zu erfahren. Aber – und das ist die gute Nachricht – es gibt auch unabhängig davon bereits Anwendungsfälle und Erfahrungen. Denn eine andere Maßnahme der Datenstrategie entfaltet auf Bundesebene offensichtlich ihre Wirkung: Die Einrichtung von Datenlaboren und der Einsatz von Chief Data Scientists in allen Ministerien. Damit sollen sowohl Werkzeuge und Anwendungen geschaffen als auch die eigenen Mitarbeitenden fit gemacht werden im Umgang mit Datenauswertung, -erhebung und -visualisierung. Bei der Smart Country Convention gab es dazu erstmals auch öffentlich Einblicke und Informationen – etwa im inspirierenden, mit konkreten Beispielen und Zahlen unterlegten Beitrag von Frederik Blachetta, CDO im Bundeskanzleramt, oder in der Podiumsdiskussion „Evidenzbasierte Entscheidungen für den Public Sector“ mit Eileen Fuchs vom BMI, Prof. Dr. Moreen Heine, Universität zu Lübeck, und Peter Hurnaus, Microsoft Deutschland. Was hoffnungsvoll stimmt: Die Datenlabore sind keine Silos, sowohl Frederik Blachetta als auch Eileen Fuchs berichten vom Erfahrungsaustausch: "Die reden ganz viel miteinander", sagt Eileen Fuchs, es gebe einen interministeriellen Arbeitskreis, selbst initiierte Peer-to-Peer-Groups, Lösungen zum ressortübergreifenden Datenteilen würden verprobt.
„Wir bilden heute immer noch nicht richtig aus“
Und auch ein weiterer Aspekt von Datenkompetenz wurde in der Diskussion angesprochen: Es geht nicht nur darum, ausgehend von einer bestimmten Fragestellung, nach verwendbaren Daten zu suchen, sondern auch umgekehrt zu fragen, wofür vorhandene Daten noch verwendet werden könnten. Im Moment sei es noch oft so, sagte Eileen Fuchs, „dass eine Verwaltung – wie sie es auch soll – die Daten zweckgebunden verwendet und sich die Frage gar nicht stellt: Was kann ich denn noch damit machen?“ Man müsse aber zu einer Kultur kommen, wo das automatisch auch mitgedacht werde.
Dafür, wie auch für die Nutzung neuer Tools und Anwendungen braucht es aber eben das nötige Wissen. Was ist dafür zu tun? Schon in der Ausbildung ansetzen, sagte Moreen Heine: „Wir bilden heute immer noch nicht richtig aus.“ Die Curricula der Fachhochschulen für Verwaltungen seien noch immer sehr juristisch geprägt; die Lehrpläne umzugestalten, sei ein wahnsinniger Kampf. Zweitens müssten die Datenkompetenzangebote an die etablierten Weiterbildungsträger gegeben werden. Eigentlich keine Raketenwissenschaft, darüber waren sich alle einig. Es werde daran gearbeitet, inzwischen gäbe es auch die Digitalakademie der BAköV, so Eileen Fuchs, aber eben auch viele Fortbildungsträger außerhalb, das allerdings koste Geld, und die Mitarbeiter fehlten dann am Arbeitsplatz. Als positiver Faktor wurde die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams genannt.
Am Ende ging es aber auch um die Grenzen des evidenzbasierten Entscheidens. Moreen Heine verwies dabei auch auf die Erfahrungen der evidenzbasierten Medizin und Fehler bei automatisierten Entscheidungen. Es sei immer zu prüfen, ob die Datenlage überhaupt so gut sei, dass damit das gesamte Problem abgedeckt werden könne – und ob es nicht im jeweiligen Fall ganz neue Lösungen brauche. Damit schließt sich auch der Kreis zu den Ausführungen von Anne Krüger: Datenkompetenz bedeutet auch, Kontext und Qualität der Daten zu hinterfragen.
Stand: 08.12.2025
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Weitere Informationen
Der Beitrag von Frederik Blachetta auf der SCCON 2023 „Datenlabore in der Bundesregierung: Greenfield zur Stärkung evidenzbasierter politischer Entscheidungen“ ist hier abrufbar.