Stuttgart Cloud alleine macht auch nicht glücklich

Das Gespräch führte Stephan Augsten 5 min Lesedauer

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Die Landeshauptstadt Stuttgart geht bei der digitalen Transformation eigene Wege. Thomas Bönig, als CDO und CIO verantwortlich für die IT-Strategie der Schwabenmetropole, setzt hierbei auf einen hybriden Ansatz zwischen Eigenregie und strategischen Partnerschaften. Mehr verrät er im Interview.

Thomas Bönig, CIO, CDO und Amtsleiter beim Amt für Digitalisierung, Organisation und IT, kurz DO.IT, der Landeshauptstadt Stuttgart.(©  Thomas Niedermüller)
Thomas Bönig, CIO, CDO und Amtsleiter beim Amt für Digitalisierung, Organisation und IT, kurz DO.IT, der Landeshauptstadt Stuttgart.
(© Thomas Niedermüller)

Herr Bönig, die Stadt Stuttgart hat erst kürzlich bekannt gegeben, dass sie Nextcloud als Plattform für die digitale Zusammenarbeit implementiert hat. Ein wichtiger Schritt in Richtung digitale Souveränität?

Bönig: Die Stadt Stuttgart hat beim Einsatz von Nextcloud zunächst eine andere Zielsetzung verfolgt. Unser Fokus lag darauf, dass wir ein modernes und auch sicheres Werkzeug für den Datenaustausch vor allem mit externen Partnern gesucht haben, welches kostengünstig, leistungsfähig und dabei auch für eine einfache digitale Zusammenarbeit ausgelegt ist.

Alle diese Punkte konnte die selbstgehostete Lösung erfüllen und hatte noch den zusätzlichen Vorteil, dass deutlich mehr Leistungsmerkmale enthalten sind, die wir zunächst nicht unbedingt einzusetzen geplant hatten. In den Fachämtern wurden diese zusätzlichen Potenziale jedoch schnell „entdeckt“ und auch in Teilen genutzt, vor allem in der Zusammenarbeit mit externen Partnern.

Aber zumindest zahlen selbst gehostete Lösungen ja auf die Themen digitale Souveränität und Resilienz ein. Zugegeben zwei Modewörter, deshalb jedoch nicht weniger wichtig, oder?

Bönig: Sicherlich haben wir damit auch einen Beitrag zur mehr digitalen Souveränität geleistet – ein Aspekt, der heute zunehmend strategisch relevanter wird. Da wir die Nextcloud momentan in unseren eigenen Rechenzentren betreiben, reduzieren wir externe Abhängigkeiten und stärken somit unsere digitale Unabhängigkeit. Diese Souveränität ist kein Selbstzweck, sondern sie ermöglicht es uns, sensibel mit Daten umzugehen und schnell auf neue Anforderungen zu reagieren.
Gleichzeitig darf man aber auch nicht verschweigen: Viele Fachverfahren, die wir beispielsweise über unseren kommunalen Dienstleister KOMM.ONE beziehen, setzen auf proprietäre Schnittstellen, etwa zu Microsoft Office. Es braucht also eine pragmatische Balance zwischen souveränem Handeln und technischer Anschlussfähigkeit. In der IT der Landeshauptstadt Stuttgart ist es eine strategische Zielsetzung, auch zukünftig mehr Souveränität zu erreichen.

Welche konkreten Probleme adressieren sie mit der Nextcloud-Implementierung, und welche Vorteile sehen Sie in der täglichen Arbeit?

Bönig: Ein zentrales Problem war bisher der tendenziell unsichere oder wenig koordinierte bzw. aufwendige Datenaustausch mit externen Partnern – oft per E-Mail oder auch über kommerzielle Cloud-Dienste, insbesondere wenn diese Datenbestände eine Größenordnung eingenommen haben, welche die maximale Mailgröße überschritten hat. Das passte weder zu unseren Sicherheitsanforderungen noch zum Datenschutz oder zu unserem Anspruch an ein modernes Arbeiten.
Mit Nextcloud haben wir jetzt daher ein zentrales Tool eingeführt, das diesen Austausch sicher, strukturiert und nachvollziehbar macht – und dabei auch kollaborative Elemente wie gemeinsame Dateiablagen integriert. Die Lösung ist niedrigschwellig und wird akzeptiert, weil sie sich oft auch gut in bestehende Arbeitsabläufe einfügt.

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