Vorteile von Linux und Open Source Was IT-Entscheider aus dem Scheitern von LiMux heute mitnehmen sollten

Von Melanie Staudacher 5 min Lesedauer

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Mit dem Support-Ende von Windows 10 stehen viele Unternehmen vor einer Grundsatzentscheidung: Abhängigkeiten akzeptieren – oder auf Alternativen wie Linux setzen. Der gescheiterte Umstieg der Stadt München zeigt, worauf IT-Verantwortliche heute achten sollten.

Bevor Sie sich für oder gegen Linux oder Windows als Betriebssystem entscheiden, sollten Sie die Bedenken der Stadt München und die Tipps von Open-Source-Experte Jörg Bode kennen.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Bevor Sie sich für oder gegen Linux oder Windows als Betriebssystem entscheiden, sollten Sie die Bedenken der Stadt München und die Tipps von Open-Source-Experte Jörg Bode kennen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Nach den Ankündigung des Support-Endes von Windows 10 ist Microsoft in die Kritik geraten. Viele Menschen wollen daraufhin zu einem alternativen Betriebssystem wie macOS oder Linux wechseln. Auch die Stadt München hat bereits 2008 den Versuch gewagt, ihre damals rund 15.000 Rechner mit Open Source Software und Linux als Betriebssystem zu betreiben. Das Projekt lief unter dem Namen „LiMux“ und wurde 2017 wieder eingestampft, um zurück zu Windows zu wechseln.

Die Redaktion von Security-Insider hat sowohl mit der Stadt München gesprochen wie auch mit Jörg Bode, Senior IT-Consultant bei Netlution und Betreiber des Blogs „Der Bode“, in dem er sich den Themen Linux, Automatisierung, Cloud-Technologien sowie Open Source Tools widmet. Während die Stadt München nun wieder alle Rechner mit Microsoft-Software betreibt, gibt Bode Tipps mit denen der Umstieg auf Linux gelingen kann.

Wieso ist LiMux gescheitert?

Ursprünglich wollte die Stadt München von Windows zu Linux wechseln, um nicht von einem amerikanischen Unternehmen abhängig sein zu müssen. „Microsoft hatte den Support von Windows NT abgekündigt und stellte weiteren Support nur noch unter der nachfolgenden Windows-2000-Version zur Verfügung“, erklärt die Stadt München in einem Statement gegenüber Security-Insider. „Die Stadt sah hohe Aufwände in der Migration unter anderem ihrer Makros auf Windows 2000. Die Einspielung dieses Pflicht-Upgrades auf die Windows-Maschinen hätte bedeutet, dass die Stadt München sich die Aktualisierung ihrer Verwaltungs-PCs von einem amerikanischen Unternehmen aufzwingen lässt. Dieser ausformulierte Zwang seitens Microsoft stieß beim damaligen Oberbürgermeister Christian Uhde auf signifikanten Widerstand. Er initiierte den Umstieg auf Linux.“

Wie sich allerdings herausstellte, gab es zwei eindeutige Gründe vor allem aus Sicht der Organisation und Verwaltung, wieder zu Microsoft zu wechseln:

  • Während ihre Kommunikationspartner Microsoft Office nutzten, setzte die Landeshauptstadt München auf die Open-Source-Alternative LibreOffice, was die Effizienz von Verwaltungsprozessen beschränkte.
  • Andere Systeme und Fachverfahren waren und sind abhängig von Windows, was die Abschaffung von Microsoft und den Einsatz von Linux erschwerte.

Der finale Beschluss zur Rückkehr zu Windows kam in der Vollversammlung des Stadtrats vom 28. November 2017 zustande.

Konkrete Sicherheitsbedenken gegenüber Linux und Open Source im Allgemeinen habe es bei den Beschlüssen nicht gegeben. „Im Zentrum der Sicherheitsbedenken stand weniger die Art des Betriebssystems, sondern die Tatsache, dass es notwendig ist, das Betriebssystem auf allen Arbeitsplätzen auf einem aktuellen Patch-Stand zu halten und so sicher zu stellen, dass das Betriebssystem einen möglichst kleinen Angriffsvektor bietet.“ Auch bei der Migration der Rechner auf Windows 11 der mittlerweile 43.000 Mitarbeitenden der Stand München, die 2024 erfolgte, habe die Aktualität des Betriebssystems an oberster Stelle gestanden.

Vorteile von Linux

Gerade die Sicherheit ist Bodes Meinung nach ein wesentlicher Vorteil von Linux: „Aufgrund seiner offenen Struktur gilt Linux als besonders sicher. Der Quellcode kann eingesehen, überprüft und bei Bedarf angepasst werden. Die weltweit größten Server-Infrastrukturen basieren auf unixoiden Systemen – Betriebssysteme, die sich hinsichtlich ihrer Architektur und Funktion an Unix orientieren – was die Stabilität und Sicherheitsstandards dieser Plattformen unterstreicht. Sicherheitsupdates können schnell und flexibel eingespielt werden, ohne von einem einzelnen Anbieter abhängig zu sein.“

Ein häufiger Grund, warum Unternehmen und Behörden sich nicht von Windows abwenden möchten ist, weil ihre Mitarbeitenden an das Design und die Handhabung gewöhnt sind. Doch auch hinsichtlich Nutzerfreundlichkeit und Standardisierung könne Linux punkten. „Während Microsoft mit jeder neuen Windows-Version die Oberfläche und Bedienung ändert, bleibt Linux in vielen Aspekten konsistent oder kann konsistent gehalten werden. Was langfristig die Produktivität fördert. Auch im Hinblick auf die Vereinfachung des Betriebs einer Server-Landschaft sehe ich Linux weit vorn. Linux folgt internationalen Standards wie den Request for Comments (RFCs), wodurch Kompatibilitätsprobleme reduziert werden. Terminalserver können genutzt werden, um spezialisierte Anwendungen für Windows zentralisiert bereitzustellen und damit den Aufwand auf den Clients zu minimieren.“

Als weitere Vorteile von Linux nennt Bode:

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  • Der Verzicht auf Lizenzgebühren von Linux spart erhebliche Mittel, die seiner Meinung nach sinnvoller genutzt werden könnten.
  • Hinsichtlich der nachhaltigen Nutzung könne alte Hardware mit Linux weiterbetrieben werden, was die Lebensdauer der Infrastruktur verlängere und Budgets schone.
  • Open Source Software bietee wie kaum eine andere Herangehensweise Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Open Source Software könne individuell an die Bedürfnisse einer Organisation angepasst werden, sofern diese sich selbst und die Anforderungen denn halbwegs kenne – ohne Abhängigkeit von proprietären Lösungen. Dies erhöhe die Kontrolle über die IT-Infrastruktur.
  • Eine große und aktive Community sorge für schnellen Support und kontinuierliche Weiterentwicklung.
  • Durch die Offenheit des Codes sei Open Source Software weniger anfällig für Backdoors oder andere Sicherheitslücken, die von Dritten eingeführt werden könnten.

So gelingt der Umstieg auf Linux

Bode rät Unternehmen und Organisationen, die auf Linux und Open Source setzen möchten, zunächst eine klare und ergebnisorientierte Planung zu erstellen. Beim Wechsel des Betriebssystems sei es wichtig, die zu angestrebten Ziele zu definieren und die Workflows und Prozesse zu hinterfragen und gegebenenfalls zu optimieren. Mitarbeitende sollten frühzeitig in den Wandel eingebunden werden, um Akzeptanz für Linux und Open Source Software zu schaffen. Deren Mehrwert zu benennen und das Fachwissen der jeweiligen Kollegen mitzunehmen sei unerlässlich. Regelmäßige Schulungen beziehungsweise Updates zum Verlauf des Umzugs sowie klare Kommunikation würden den Übergang zusätzlich erleichtern.

„Es lässt sich nun mal nicht leugnen, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist“, sagt Bode. „Meist stellt sich jedoch heraus, dass die Sorge meist eine diffuse ist und nicht auf Fakten oder tatsächlichen Umständen beruht. Ein schrittweiser Wechsel – statt eines radikalen Umstiegs – minimiert Risiken und gibt Raum, Erfahrungen zu sammeln. Wenn möglich wird die Bedienung einfach beibehalten, beispielsweise durch Webanwendungen oder falls notwendig, können Windows-spezifische Anwendungen über Terminalserver zentralisiert bereitgestellt werden, um Flexibilität und Effizienz zu erhöhen. Die Zusammenarbeit mit der Open Source Community kann ebenfalls von Vorteil sein, um von den Erfahrungen anderer zu profitieren und die besten Lösungen für spezifische Herausforderungen zu finden.“

Fazit

Aus politischer Sicht spreche der Stadt München zufolge nichts gegen die Nutzung von Open Source Software. Vielmehr standen die Abhängigkeiten interner Systeme sowie externer Partner von Microsoft LiMux im Wege. Seit 2021 arbeitet die Landeshauptstadt an der strategischen Einbettung von Open-Source-Lösungen. So will sie die Abhängigkeit von Herstellern verringern und die digitale Souveränität erhöhen.

Im Zusammenspiel mit den von Bode empfohlenen Servern, um spezielle Programme und Dienste abzubilden, könnte möglicherweise irgendwann ein Umstieg Münchens auf Linux erneut in Angriff genommen werden.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei unserem Schwesterportal Security-Insider.

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