Im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und neuen Ansprüchen

Wie wird die Öffentliche Hand digital resilient?

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Der digitale Reifegrad stellt dabei ein nützliches Tool dar, um zu ermitteln, inwieweit die jeweilige ­Organisation im Prozess der digitalen Transformation vorangeschritten ist. Dabei werden unterschiedliche Dimensionen, unter anderem die Strategie, die Technologie sowie die Organisation und ihre Prozesse, analysiert. Dieses Wissen ist wichtig, denn es zeigt, in welchen Bereichen eine Behörde schon gut aufgestellt ist und wo noch Handlungsbedarf besteht. Damit gibt er Orientierung bei der Suche nach Ansatzpunkten für Digitalisierungsprojekte.

Behördenmitarbeitende müssen ein digitales Mindset entwickeln und in der Lage sein, in ihrem digitalen Handeln kritisch vorauszudenken

Standardisierte Prozesse

Ein Ansatzpunkt zur Stärkung der digitalen Resilienz kann zum Beispiel die Implementierung standardisierter Prozesse sein. Es bedarf zudem einer IT-Strategie, die auf schnelles Erkennen von Gefahren und Einleiten von Abwehrmaßnahmen setzt. Dazu gehören regelmäßige Stresstests sowie sichere Backup- und Recovery-Konzepte, die festlegen, wie Daten und Informationen abgelegt werden.

Die Herausforderung hier: Der deutsche Föderalismus, der durchaus eine Stärke unserer Demokratie darstellt, führt im Kontext der digitalen Transformation vor allem zu Abstimmungsherausforderungen auf politischer Ebene, zu Komplikationen bei der Einführung standardisierter Prozesse, die über Ländergrenzen hinweg gelten und zu großen regionalen Unterschieden im infrastrukturellen Ausbau. Im Zuge der Corona-Pandemie wurden die digitalen Defizite vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Verwaltung aufgedeckt.

In der Theorie sind die Zuständigkeiten in einem föderalen System auf verschiedenen Ebenen verteilt. Während der Bund als gesamtgesellschaftliche Ebene länderübergreifende Aufgaben wahrnimmt, stehen die Bundesländer in einem Wettbewerb um die beste Lösung.

In der Praxis stellt sich das Ganze jedoch anders dar. Ermittlungs­behörden kämpfen mit inkompatiblen IT-Systemen, Gesundheitsämter kommunizieren teilweise noch per Faxgerät, anstatt eine einheitliche Software zur Kontaktverfolgung zu nutzen, und der Datenschutz wird von 17 Datenschutzbeauftragten in Bund und Ländern ausgestaltet. Der Föderalismus befeuert also nicht den Wettbewerb, sondern bremst die Digitalisierung aus.

Der Mensch als kritischer Faktor

Neben den Technologien und der Infrastruktur, spielt der Faktor Mensch eine wichtige Rolle in Bezug auf die IT-Sicherheit. Denn Menschen sind im Zweifel diejenigen, die auf betrügerische Links klicken, Opfer von gezieltem Social­ Engineering werden oder ihre Passwörter nicht ausreichend sichern – und damit Sicherheitslücken entstehen lassen.

Daher ist ein ausgeprägtes digitales Mindset der Mitarbeitenden notwendig. Strukturen und Kultur spielen bei der Nutzung von Technologien eine wichtige Rolle. Eine Digitalkultur der Öffentlichen Hand bildet somit erst die Grundlage für die Akzeptanz neuer Arbeitsformen und -mittel sowie bei der Nutzerzentrierung digitaler Verwaltungsangebote.

Matthias Dyer(©  Detecon)
Matthias Dyer
(© Detecon)

Behördenmitarbeitende müssen ein digitales Mindset entwickeln und in der Lage sein, in ihrem digitalen Handeln kritisch vorauszudenken. Vor allem im Bereich der Cybersecurity zeigt sich, dass Menschen deutlich einfacher zu überlisten sind als die Technik, die sie bedienen. Ausschließlich technologische Vorkehrungen reichen nicht aus, um für mehr IT-Sicherheit zu sorgen. Vielmehr kann eine resiliente und souveräne IT nur durch eine digitale Kultur erreicht werden. Ein erfolgreicher Kulturwandel kann mithilfe einer Reihe organisatorischer Maßnahmen geschehen:

  • Awareness für Fallstricke bei Mitarbeitern schaffen und über Fake-Webseiten und andere betrügerische Methoden aufklären.
  • Arbeitgeberattraktivität im öffentlichen Sektor steigern, um neue Denkweisen zu implementieren und so dem IT-Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
  • Raum für Entwicklung schaffen durch größere Experimentierräume, höhere Kompetenzen und agilere Arbeitsweisen.

Nur unter Einbindung der Menschen hinter den Systemen kann die Öffentliche Hand in Deutschland sicherstellen, wettbewerbs­fähig und damit digital souverän zu sein.

Auf der nächsten Seite: Blick auf Europa.

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