Lieferketten Wie ESG-Ziele den Unterschied machen

Ein Gastbeitrag von Wolfgang Eckert 5 min Lesedauer

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Nachhaltiges Handeln ist zukunftsfähiges Handeln – das gilt auch für Unternehmen. In Zeiten immer komplexerer Vorgaben zeigt sich: ESG-Ziele können viel mehr sein als lästige Vorgaben. Lesen Sie hier, wie Unternehmen den Wandel zum Wettbewerbsvorteil machen können.

Nachhaltigere Geschäftspraktiken und ESG-Initiativen können auch ein Katalysator für langfristigen Erfolg sein.(Bild:  metamorworks - stock.adobe.com)
Nachhaltigere Geschäftspraktiken und ESG-Initiativen können auch ein Katalysator für langfristigen Erfolg sein.
(Bild: metamorworks - stock.adobe.com)

Unternehmen weltweit erkennen zunehmend: Umwelt-, soziale und Governance-Standards (ESG) sind längst mehr als ein notwendiges Geschäftsziel. Nachhaltigere Geschäftspraktiken und ESG-Initiativen können auch ein Katalysator für langfristigen Erfolg sein. Die Herausforderung besteht jedoch darin, alle Geschäftstätigkeiten vollständig an ESG-Prinzipien auszurichten – und das ist kein leichtes Unterfangen. Führungskräfte fühlen sich schnell überwältigt, wenn sie ihr gesamtes Unternehmen generalüberholen müssen, um diesen neuen Erwartungen gerecht zu werden.

Zwischen Pflicht und Potenzial

Unternehmen, die ihre ESG-Ziele effektiv vorantreiben wollen, müssen dabei zunächst identifizieren, welche Geschäftsbereiche den größten Einfluss haben und diese als Startpunkt nutzen. Bis zu 90 Prozent des ökologischen Fußabdrucks eines Unternehmens hängen mit seinen Lieferketten zusammen – deshalb lohnt es sich, den Einkauf zur Priorität zu machen.

Derzeit treten viele neue Gesetze in Kraft, die Unternehmen zur Annahme und Umsetzung von ESG-Zielen verpflichten. In der EU etwa müssen Institutionen der öffentlichen Hand inzwischen Umwelt- und soziale Faktoren in ihre Einkaufsentscheidungen einbeziehen. Wer das nicht tut, riskiert rechtliche Konsequenzen. Dies bedeutet auch für Deutschland Veränderungen, etwa durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) oder die EU-Offenlegungsverordnung (SFRD). Unternehmen sollten solche Gesetze jedoch nicht als Hindernis betrachten – und genauso wenig sollten gesetzliche Verpflichtungen der einzige Motivator für nachhaltigere Geschäftsentscheidungen sein.

Ein Grund: Das Bewusstsein für und die Einforderung von sozial verantwortlichem Handeln nimmt stetig zu. Eine Studie des Marktforschungsinstituts Kantar aus dem Jahr 2022 zeigt, dass für drei Viertel (74 Prozent) der Deutschen das ESG-Engagement von Marken inzwischen die Kaufentscheidung beeinflusst. Parallel dazu zeigt die Forschung, dass nachhaltigere Entscheidungen im Einkauf den Markenwert um 15 bis 30 Prozent steigern können.

ESG in den Einkauf zu integrieren, ist also nicht nur die ethisch und rechtlich richtige Entscheidung, sondern auch eine unternehmerische Chance. Einfach ausgedrückt: Unternehmen, die ESG implementieren, haben viel zu gewinnen – und nicht zuletzt einen Wettbewerbsvorteil.

Unternehmen wehren sich gegen den Wandel

Die Integration von ESG in den Einkauf bringt aber auch eine Reihe von Herausforderungen mit sich. Die größte ist dabei oft interner Natur: Widerstand innerhalb des Unternehmens. Der kann überall entstehen, aber vor allem im budgetfokussierten mittleren Management. Deswegen müssen Leitende der IT-Beschaffung die Unterstützung der oberen Führungsebene gewinnen – zum Beispiel, indem sie den Mehrwert zeigen, den ESG schaffen kann. Mit effizienten Prozessen und dem damit einhergehenden positiven Wandel können sie dann weitere User ins Boot holen.

Doch dieser Wandel geschieht weder über Nacht, noch können einzelne Personen ihn allein zustande bringen. Stattdessen braucht es einen Kulturwandel, der ganz oben im Unternehmen beginnt und einen operativen Wandel auf allen Ebenen auslöst. Damit lassen sich Stakeholder überall im Unternehmen motivieren, etablierte Geschäftspraktiken zu überwinden, strategische Aspekte der Unternehmenskultur mit frischen Augen zu betrachten und in die Zukunft zu gehen.

Von oben nach unten: ESG als Business-Case

Die Unterstützung der oberen Führungsebenen ist entscheidend, wenn eine Veränderung herbeigeführt werden soll – sowohl in der Unternehmenskultur als auch in den Arbeitsprozessen. Eine ganz entscheidende Rolle spielt dabei der finanzielle Aspekt: Die Forschung zeigt, dass die Umsetzung von ESG-Zielen den Cashflow steigern kann. Ein nachhaltigeres Angebot kann Unternehmen Zugang zu neuen Kundinnen und Kunden ermöglichen – und schafft darüber besseren Zugang zu Ressourcen: Mit nachhaltigerem Handeln stärken Unternehmen auch ihre lokalen Beziehungen. Die Forschung zeigt darüber hinaus, dass ESG-konformes Handeln das Purpose-Empfinden im Unternehmen und damit die Produktivität unter den Beschäftigten steigern sowie neue Talente anziehen kann.

Von unten nach oben: Operativen Wandel herbeiführen

Gleichzeitig ist es wichtig, die Endnutzer und -nutzerinnen von den Vorteilen von ESG zu überzeugen. Widerstände lassen sich gut überwinden, wenn die notwendige neue Infrastruktur übergangslos implementiert wird. Dies lässt sich zum Beispiel über die Einführung neuer Einkaufskriterien erreichen – so wird die Auswahl kleiner und ggf. leichter und alle Einkäufe sind ESG-konform.

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Das gilt nicht nur für privatwirtschaftliche Unternehmen, sondern auch für den Einkauf im öffentlichen Sektor. Wo Institutionen einkaufen, hat vor Ort direkten Einfluss auf das wirtschaftliche, soziale und umweltbezogene Wohlergehen. In Deutschland sind Unternehmen etwa durch das Lieferkettengesetz in der Verantwortung, die Wahrung von Menschenrechten entlang der gesamten Lieferkette sicherzustellen.

Ein Beispiel dafür, wie Institutionen Unternehmen auf lokaler Ebene unterstützen können, zeigt sich im Vereinigten Königreich: Nach der Corona-Pandemie hat dort ein Gemeinderat gemeinsam mit ortsansässigen Unternehmen einen Ansatz für mehr soziale Wertschöpfung entwickelt. Ein entscheidender erster Schritt war hier, Einkaufsentscheidungen von unten nach oben zu analysieren.

Nachhaltigkeit einfach machen

Es liegt in der Natur des öffentlichen Sektors, dass Institutionen im Einkauf große Ausgaben bewältigen müssen: Vom IT-Equipment für die Büros über Medizinartikel für Gesundheitszentren bis hin zu Büchern für die örtlichen Bibliotheken. Dies führte in der englischen Gemeinde in der Vergangenheit oft dazu, dass die Verantwortlichen sich einfach für die preisgünstigste Option entschieden – oft mit internationalem Transportweg oder nicht nachhaltigem Verpackungsmaterial. Das war mit den Werten der lokalen Gemeinde nicht vereinbar.

Die Lösung: eine zentrale Einkaufssoftware, die mit Filterfunktionen – wie Amazon Business sie bietet – nachhaltige Entscheidungen leichter macht. Denn: Umso leichter nachhaltiges Handeln ist, desto eher wird es Bestandteil des Alltags. So kauft die Gemeinde nun immer noch preisbewusst ein – aber vor allem vor Ort. Durch den lokalen Einkauf fallen gleichzeitig weniger Transportwege an. Das reduziert den CO2-Fußabdruck.

Dieser Bottom-up-Gedanke funktioniert in verschiedenen Sektoren. Unternehmen können beispielsweise sicherstellen, dass Waren des täglichen Gebrauchs wie Kaffee und Papier auf nachhaltigem Wege bezogen werden. Die größte Stärke solcher Ansätze ist, dass der Wandel im Kleinen beginnt. Das limitiert nicht etwa seine Durchschlagskraft, sondern kann sie sogar stärken: Wenn Einkaufsabteilungen motiviert werden, nachhaltiger zu handeln, ermutigt dies auch das mittlere Management. Denn so lässt sich zeigen, dass ESG keine negativen Auswirkungen auf die stets knappen Haushalte haben muss. Auf diesem Weg können Unternehmen Schritt für Schritt nachhaltiger werden – und damit zukunftsfest.

Das ESG-Zeitalter mit offenen Armen empfangen

Die Unternehmenslandschaft befindet sich im Wandel; die Einbindung von ESG-Prinzipien im Einkauf ist nicht nur ethisch, sondern auch strategisch notwendig. Unternehmen, die diese Entwicklung verpassen, riskieren den Anschluss zu verpassen, während die gesetzlichen Anforderungen und Erwartungen der Kundschaft steigen. Durch die Priorisierung von ESG können Unternehmen den Ruf ihrer Marke stärken, Kosten reduzieren und langfristig resilienter werden. Sie erfüllen nicht nur neue gesetzliche Anforderungen, sondern sichern sich Erfolg in einer Welt, in der Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung immer stärker in den Mittelpunkt rücken.

Wolfgang Eckert
verantwortet als Country Manager das Geschäft und den Ausbau von Amazon Business in Deutschland. Seine Karriere bei Amazon startete er im Jahr 2009 als Senior Category Leader für die Bereiche Baumarkt, Garten und Automotive. Anschließend wechselte er in den Bereich Personal Computing und IT, wo er ab Oktober 2012 die Position des Directors übernahm. In dieser Führungsrolle verantwortete er im Lauf seiner Karriere bei Amazon verschiedene Retail-Kategorien, den Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh und Prime Now sowie das europäische Bekleidungsgeschäft.

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