Schutz vor Cyberangriffen Warum Schulen auf die menschliche Firewall setzen sollten

Ein Gastbeitrag von Daniel Blank 5 min Lesedauer

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Schulen geraten zunehmend in den Blick von Cyberkriminellen. Erste Angriffe demonstrieren, was passieren kann, wenn Bildungseinrichtungen ihre digitale Infrastruktur nicht konsequent schützen. Doch Schulen können sich wappnen – und das am besten, wenn es klare Verantwortlichkeiten gibt und alle einbezogen werden.

Wenn Schulen digitaler werden, muss die IT-Sicherheit verbessert werden. (Bild:  A4719 – stock.adobe.com / KI-generiert)
Wenn Schulen digitaler werden, muss die IT-Sicherheit verbessert werden.
(Bild: A4719 – stock.adobe.com / KI-generiert)

Schulen in Deutschland werden digitaler. Von Lernplattformen über digitale Klassenbücher bis hin zur Verwaltungssoftware – der Einsatz moderner Technologien an Schulen schreitet voran. Doch dabei gerät der Schutz der IT-Infrastrukturen oft ins Hintertreffen. 2024 wurden beispielsweise mehrere Schulen in Kitzingen Opfer eines Ransomware-Angriffs. Dieses Jahr wiederholte sich das Spiel im großen Stil: Über eine Supply-Chain-Attacke haben Hacker an 45 Schulen in Rheinland-Pfalz Daten blockiert und gestohlen.

Schul-IT im Fokus: Wenn Digitalisierung zur Angriffsfläche wird

Trotz aller Vorteile: Wenn Schulen immer mehr auf Technik setzen, bedeutet dies auch, dass sensible Daten zunehmend digital verwaltet werden – und das will gelernt sein. Denn Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Sozialversicherungsnummern oder gar medizinische Unterlagen und Kreditkarteninformationen sind beliebte Beute für Cyberkriminelle und müssen wirksam geschützt werden. Die Verantwortlichen sind sich indes oft nicht ausreichend bewusst über die Datenschätze in ihren Systemen und setzen zu wenig auf einen adäquaten Schutz. Das Ergebnis sind unzureichende Cybersicherheitsstrukturen, die Hacker leicht umgehen können.

Diese Schwachstellen veranlassen Bedrohungsakteure dazu, Schulen bzw. deren IT immer stärker ins Visier zu nehmen. Und wer einmal erfolgreich war, greift erneut an. Schulen mit unzureichenden technischen Cybersicherheitsmaßnahmen oder fehlenden Schulungsprogrammen sind deshalb anfällig für gezielte Netzwerkangriffe oder Software-Exploits. Die Folgen: Systemausfälle und Datendiebstahl – bis hin zu Lösegeldforderungen.

In drei Schritten zu mehr Cybersicherheit

Drei grundlegende Maßnahmen helfen Schulen, einen proaktiven Schutz der Systeme zu etablieren. Dabei ist es wichtig, dass alle Beteiligten eng zusammenarbeiten, das heißt Schulleitung und IT-Verantwortliche, Schulträger beziehungsweise Sachaufwandsträger, gegebenenfalls IT-Dienstleister oder externe Spezialisten sowie die zuständige IT-Sicherheitsbehörde auf kommunaler oder Landesebene. Ebenso sollten Schülerinnen und Schüler, der Lehrkörper, die Schulverwaltung sowie Eltern und Erziehungsberechtigte mit einbezogen werden. Es geht um folgende Schritte:

  • Organisation schaffen: Es muss sichergestellt werden, dass alle sensiblen und personenbezogenen Daten einer Schule sicher und unveränderlich gesichert werden, beispielsweise durch regelmäßige Backups auf manipulationssicheren Speichersystemen. Das sorgt für die Integrität und Vertraulichkeit von Daten, verhindert großräumige Systemausfälle und schützt vor den Auswirkungen von Ransomware-Angriffen. Zusätzlich braucht es klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten für alle Beteiligten, feste Abläufe und einen praxistauglichen Krisenplan, um im Ernstfall schnell und koordiniert reagieren zu können.
  • Technisch absichern: Gleichzeitig sind für Bildungseinrichtungen grundlegende Cybersicherheitsmaßnahmen als Mindeststandard zu etablieren. Dazu gehören eine fortschrittliche Bedrohungserkennung und -abwehr, Endgerätesicherheit, regelmäßiges Patch-Management sowie starke Passwörter in Kombination mit Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) für alle offiziellen Schulzugänge. E-Mail-Sicherheit spielt eine zentrale Rolle, um Phishing-Versuche und Schadsoftware zu blockieren. KI-basierte Filter können hierbei automatisiert Bedrohungen identifizieren und abwehren.
  • Sicherheitskultur fördern: Ebenso wichtig ist es, eine sicherheitsbewusste Schulkultur zu fördern. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie Verwaltungsmitarbeitende sollten regelmäßig und fortwährend zu Cybersicherheit geschult werden. So entsteht eine „menschliche Firewall“, die das Risiko erfolgreicher Angriffe deutlich reduziert.

Wer Schulen wirksam vor Cyberangriffen schützen will, braucht ein ganzheitliches Konzept: Nur das Zusammenspiel von klarer Organisation, verlässlicher Technik und sensibilisierten Menschen schafft eine belastbare Sicherheitsstruktur.

Der unterschätzte Faktor Mensch

Gerade die Nutzerinnen und Nutzer werden jedoch oft übersehen. Ohne die nötige Sensibilisierung werden sie zum Einfallstor für Cyberkriminelle. Mit dem richtigen Wissen und Bewusstsein ausgestattet, werden sie jedoch zur wirksamen Verteidigungslinie. Der Faktor Mensch muss daher immer vollwertig mitgedacht werden, besonders in schulischen Umgebungen. Denn hier treffen eine Vielzahl von Usern mit verschiedenen Vorkenntnissen, Bedürfnissen und Zugriffsrechten aufeinander.

Für viele Schülerinnen und Schüler gehören digitale Umgebungen heute zum Alltag. Ihr Bewusstsein für Datenschutz, IT-Sicherheit oder Manipulationstechniken wie Phishing ist jedoch oft noch sehr gering ausgeprägt. Das macht sie zu einer besonders gefährdeten Benutzergruppe. Lehrkräfte und Verwaltungsmitarbeitende hingegen sind oft bereits sensibilisiert, teilweise auch schon geschult, und sie nutzen überwiegend schulische Geräte mit aktueller Software und privaten WLAN- oder LAN-Verbindungen. Dennoch sind sie nicht vor Angriffen geschützt: Nicht selten sind ihre Kontaktdaten öffentlich auf den Schulwebsites einsehbar. Das macht sie zu besonders attraktiven Zielen für E-Mail-Cyberangriffe.

Auch Eltern und Erziehungsberechtigte müssen einbezogen werden. Sie nutzen seltener Schulgeräte, spielen aber eine zentrale Rolle bei der Aufklärung ihrer Kinder über Cyberrisiken. Nur wenn sie selbst grundlegende Gefahren wie Phishing oder Social Engineering verstehen, können sie ihre Kinder bei verdächtigen Vorkommnissen sinnvoll unterstützen.

Die menschliche Firewall: Mindset, Skillset & Toolset

Cybersicherheit endet nicht an der Schultür – sie erfordert ein gemeinsames Engagement aller Beteiligten. Um eine effektive menschliche Firewall aufzubauen, sollten Schulen deshalb auf ein Dreigespann aus Mindset, Skillset und Toolset setzen:

  • Mindset: Die richtige Einstellung ist der erste Schritt zu mehr Cybersicherheit. Nur wer die Risiken kennt, kann richtig handeln. Daher ist es entscheidend, Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeitende und andere Nutzerinnen und Nutzer gleichermaßen für die wachsenden Bedrohungen im digitalen Raum zu sensibilisieren.
  • Skillset: Wissen allein reicht jedoch nicht aus – auch praktische Fähigkeiten müssen geübt werden. KI-unterstützte Awareness-Programme bieten personalisierte Lerninhalte und Simulationen realer Cyberangriffe, sodass alle Nutzerinnen und Nutzer praktische Erfahrungen sammeln und ihre Reaktionsfähigkeit stärken. Lehrkräfte können sich beispielsweise an speziellen Modulen zu Phishing-Erkennung üben, während Schülerinnen und Schüler spielerisch Risiken wie Social Engineering trainieren. Interaktive Simulationen realer Cyberangriffe fördern praxisnahes Lernen und stärken die Reaktionsfähigkeit in kritischen Situationen.
  • Toolset: Die Nutzerinnen und Nutzer müssen zudem gezielt dabei unterstützt werden, digitale Umgebungen sicher zu navigieren – etwa durch Sicherheitsfunktionen, Zugriffssteuerungen oder unterstützende Softwarelösungen.

Nur wenn alle drei Bausteine – Mindset, Skillset und Toolset – zusammenwirken, entsteht eine nachhaltige und robuste menschliche Firewall, die Schulen effektiv vor Cyberbedrohungen schützt.

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Die kürzlichen Vorfälle zeigen: Cybersicherheit an Schulen darf kein Randthema mehr sein. Verantwortliche müssen handeln – und zwar ganzheitlich. Mit strukturiertem Datenschutz, technischer Absicherung und sicherer Kommunikation aber auch mit kontinuierlicher Schulung. Nur so kann eine belastbare Sicherheitsstruktur und -kultur entstehen, die nicht nur Daten schützt, sondern auch den Bildungsauftrag.

Daniel Blank
COO bei Hornetsecurity

Bildquelle: Hornetsecurity

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