Mit Interoperabilität und Ende-zu-Ende-Digitalisierung

Warum das OZG 2.0 ein Erfolg wird

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Interoperabilität als zentrale Voraussetzung für den Erfolg des OZG

Darüber hinaus ist Interoperabilität eine notwendige Voraussetzung, um Synergien über Nachnutzung zu realisieren und konsistente Nutzererfahrungen zu schaffen. Plattformübergreifende Interoperabilität zielt u.a. auf die einfache Integration einmal entwickelter digitaler Leistungen auf den Webportalen verschiedener Verwaltungsorganisationen. Die Integration erfolgt dabei auf unterschiedlichen Ebenen: UX, UI, Prozesse und Daten. Dafür braucht es einen übergreifenden Architekturansatz, der mit Blick auf Frontend und Backend aus Organisationssicht das Teilen von digitalen Leistungen unterstützt, aus Prozesssicht Ende-zu-Ende-Prozesse und relevante Datenflüsse im Blick hat und aus Nutzersicht eine konsistente Erfahrung ermöglicht.

Eine Microfrontend/-service-Architektur kann das aktuelle Vorgehen gezielt ergänzen. Es ist die konsequente Fortsetzung der dezentralen und fachlichen Arbeitsteilung des OZG in die Architektur der Webportale. Die Idee von Microfrontends ist es, Webportale als eine Komposition modularer Bestandteile zu betrachten, die von unabhängigen Teams entwickelt werden. Jedes Team ist funktionsübergreifend und entwickelt dabei eine bestimmte digitale Leistung durchgängig, von der Datenbank über die fachliche Logik bis zur Benutzeroberfläche. Microfrontends werden damit als vollständige Applikation inklusive fachlicher Logik und Backend-Anbindung von autonomen Teams entwickelt und im Anwender-Browser zu einer nahtlosen Nutzererfahrung integriert – das schafft die konzeptionelle Basis für das Zusammenwirken von Autonomie und Interoperabilität.

Eine solche Microfrontend/-service-Architektur braucht einen leichtgewichtigen Standard, gleich einer Basisplatte bei einem Lego-Modell. Diese Basisplatte dient der Integration von Microfrontends in das Webportal unabhängig der verwendeten Programmiersprache sowie der Kommunikation der Microfrontends untereinander und mit zentralen Diensten wie den Benutzer-Daten. Folgen Webportale unterschiedlicher Verwaltungsorganisationen dem Microfrontend/-service-Ansatz können entwickelte Applikationen untereinander geteilt und konsistent in das jeweilige Webportal integriert werden. Dazu braucht es neben der Basisplatte u.a. ein Design System zur Bereitstellung von UI-Komponenten sowie ein Content Management System zur Anordnung der Applikationen.

Zudem muss diese Basisplatte um zentrale Infrastrukturkomponenten wie einen Log-in, eine Authentifizierungskomponente oder eine Payment-Lösung ergänzt werden. Das stellt sicher, dass die entsprechenden Dienste gut ineinandergreifen und sich der Integrationsaufwand minimiert. Über „white label“-Ansätze lässt sich das Microfrontend einer Leistung auch im Design der jeweiligen Verwaltung ausspielen – es werden dabei die Farben, Logos und andere Design-Elemente des Webportals genutzt, in das eine Applikation integriert wird.

Standardisierung bedeutet dabei nicht, eine verwaltungsübergreifende Plattform zu schaffen. Kommend von den Anwendungsfällen müssen plattformübergreifend nur die Komponenten standardisiert werden, die Interoperabiltät ermöglichen. Das betrifft im Wesentlichen den Integrationsansatz sowie die APIs zur Kommunikation und entsprechende Basisdienste. Komponenten wie das Content Management System müssen befähigt werden, können aber grundsätzlich agnostisch sein – das heißt von unterschiedlichen Anbietern. Gibt es bereits Standards, sollten diese verpflichtend eingeführt und gezielt ergänzt werden. Zudem sollte ein definierter Standard über Referenzimplementierungen sowie umfangreiche „self-service“-Dokumentationen unterstützt werden. In orchestrierten Gemeinschaften von Experten können zudem positive und negative Erkenntnisse und Wissen geteilt werden.

Ist der Standard geschaffen und plattformübergreifend implementiert, können Verwaltungen die verfügbaren digitalen Leistungen über einen App Store suchen und bspw. über GitHub oder OpenCoDE auf den Code zugreifen. Der offensichtliche Vorteil von Microfrontends und -services liegt dabei in ihrer Modularität: so können digitale Leistungen jeweils dort in das Webportal einer Verwaltung integriert werden, wo es aus Nutzersicht sinnvoll ist. Zudem lassen sich digitale Leistungen aufgrund der Sprachunabhängigkeit der Basisarchitektur in einer beliebigen Technologie erstellen, wodurch unterschiedliche Dienstleister unkompliziert beitragen können. Wie dabei eine Verrechnung für die Nachnutzung erfolgt, muss verwaltungsübergreifend definiert werden.

Der beschriebene Ansatz ist die Basis für eine schnelle und skalierbare Entwicklung. Eine Entwicklung die auf Basis eines leichtgewichtigen Standards den verantwortlichen Teams Autonomie in der Umsetzung gibt und gleichzeitig eine Integration ermöglicht. Der Ansatz schafft zudem die Möglichkeit Microfrontends anderer Länder auch um spezifisch für eine Verwaltungsorganisation entwickelte Microfrontends bzw. bestehende Webseitenmodule zu ergänzen. Technische Frameworks dafür stehen u.a. auch open source zur Verfügung.

Ausblick

Insgesamt stellen sowohl die ganzheitliche Betrachtung von Leistungen aus der Perspektive der Nutzer sowie die Interoperabilität von Leistungen durch eine Microfrontend/-service-Architektur wichtige Schritte dar, um eine konsistente Nutzererfahrung zu schaffen und Synergien und Effizienzen über Verwaltungsgrenzen hinweg zu realisieren. Bei der Umsetzung eines Microfrontend/-services-Ansatzes kann sich dabei ein Blick in andere Industrien lohnen. Beispielsweise schafft es VW mittels eines solchen Vorgehens modulare Web-Applikationen dezentral zu entwickeln und diese konsistent aus Nutzersicht zu integrieren – ein Plattformansatz, den auch andere Länder für ihre digitale Verwaltung verfolgen. Mit einem solchen Ansatz wird zudem auch die Grundlage geschaffen, um GovTech-Lösungen einfacher in die Customer Journey der Webportale der Verwaltungen zu integrieren. Somit wird der Raum für innovative Lösungen zunehmend geöffnet.

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Durch die Kombination beider Faktoren – der Einnahme einer ganzheitlichen, nutzerzentrierten Perspektive in der Entwicklung von Anwendungen sowie der Sicherstellung der Interoperabilität von Leistungen durch den Einsatz einer plattformgetriebenen Microfrontends/-service-Architektur – kann OZG 2.0 zum Erfolg werden.

Dr. Bernd Peper
ist Executive Principal Strategy bei Accenture Song und u.a. zuständig für das Agenturgeschäft im Bereich Health & Public Sector in Deutschland.

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