Weshalb Schulungen beim Kampf gegen manipulierte Ausweise notwendig sind

Sehen, fühlen – maschinell prüfen

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Tipps und Tricks vom Experten

Mittlerweile hat der Praxisteil der Schulung begonnen. Dokumente werden herumgereicht und genau betrachtet. Immer wieder gibt Kohn wertvolle Tipps und Tricks, etwa zum Vorgehen bei stark verschmutzten Dokumenten und für den schnellen ersten Prüfeindruck. Sofort aufmerksam werden sollten Identitätsprüfer bei Unstimmigkeiten der biometrischen Daten: wenn beispielsweise die Angabe zum Alter oder zur Körpergröße ganz und gar nicht zum Gegenüber passen, oder die Angaben zur Gültigkeit von Dokumenten unlogisch erscheinen.

Viele Fälschungen sind so einfach gemacht, dass sie beim näheren Betrachten gegen das Tageslicht, durch Kippen des Dokuments oder durch Darüberstreichen mit dem Finger sofort auffallen. Auch Veränderungen an der Maschinen-Lesbaren-Zone (MLZ) auf Dokumenten werden häufig entdeckt. Fordern sie Fälschern doch einen hohen Grad an Sorgfalt und mathematisches Verständnis ab. Allein durch die einfache rechnerische Überprüfung nur der MLZ mit ihrer Prüfziffer deckte eine Behörde drei Fälschungen pro Woche auf.

Manche der Sicherheitsmerkmale bleiben jedoch auch für geübte Betrachter unsichtbar. Sie werden erst mit technischen Hilfsmitteln sichtbar, etwa UV-Licht. Und kaum jemand kennt die Sicherheitsmerkmale aller gültigen Dokumente im Detail. Immer mehr Behörden setzen deshalb Dokumentenprüfgeräte ein. Zum Vergleich: Eine klassische Prüfung mit UV-Licht und Lupe dauert im Durchschnitt ein bis zwei Minuten. Das Gerät ist mit ca. zehn Sekunden deutlich schneller und kann, wenn vorhanden, zusätzlich den elektronischen Chip des Dokuments maschinell überprüfen.

Referenzdatenbank und Prüfverfahren werden ständig aktualisiert und haben eine im weltweiten Vergleich sehr hohe Erkennungsrate von Fälschungen. Thomas Kohn demonstriert anhand eines mitgebrachten Geräts die Vorteile der maschinellen Dokumentenprüfung: Dokumente müssen nur aufgelegt werden; für den Abgleich verbindet sich die Prüfsoftware mit der Referenzdatenbank der Bundesdruckerei.

Auffälligkeiten werden auf dem Monitor markiert. Zum Vergleich erscheint auf dem Bildschirm ein Referenzbild. Über standardisierte Verfahren können auch die Daten des elektronischen Chips verglichen und geprüft werden.

Pässe sind manchmal wie kleine Kunstwerke

Während die Teilnehmer die Reisepässe genau betrachten, entdecken sie erstaunliche Details: wunderbar feine Guillochen, changierende Farben, versteckte Mikroschriften. „Pässe gelten als Spiegel der Identität des ausgebenden Staates. Wer genau hinschaut, entdeckt die Schönheit ihrer Details“, betont Thomas Kohn.

Dann nimmt er die Teilnehmer mit auf einen inspirierenden Gang durch die deutsche Geschichte: Wer entdeckt zuerst den Text und die Noten der deutschen Nationalhymne auf der Datenseite des deutschen Reisepasses? Oder die kleinen Brandenburger Tore und die winzig kleinen Guillochen in Form von Noten? Als Wasserzeichen auf den Papierseiten versteckt, umkreisen die Sterne Europas den Bundesadler. Schnell durchgeblättert durchwandert einer der Sterne den Kreis – der Pass als Daumenkino.

Quer durchs Land

Die Schulung ist beendet, zufrieden verlassen die Teilnehmer den Saal. Kohn räumt das Prüfgerät und die Musterdokumente wieder in den Koffer. Für ihn gilt: Nach der Schulung ist vor der Schulung. In seiner Mission bereist er beinah jeden Winkel Deutschlands, von Ostfriesland bis Sachsen: „Hätten wir jeden Termin mit einer roten Nadel in einer Deutschlandkarte markiert, ergäbe sich ein engmaschiges Netz bis in die entlegensten Orte.“ Tendenz steigend: Von 2017 auf 2019 hat sich die Anzahl der Schulungen verdreifacht. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

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