Best Practice: Landkreis Lichtenfels Digitale Hilfe bei der Eindämmung von Tierseuchen

Von Anja Noack 3 min Lesedauer

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Exakte Positionsdaten sind bei der Eindämmung von Tierseuchen wie der Afrikanischen Schweinepest (ASP) unerlässlich: Jeder Fundort eines verendeten Wildtiers muss an das Veterinäramt gemeldet werden, damit es einen Überblick über die aktuelle Ausbreitungssituation erhält.

Kloster Banz im Landkreis Lichtenfels.(©  David Brown - stock.adobe.com)
Kloster Banz im Landkreis Lichtenfels.
(© David Brown - stock.adobe.com)

Die Globalisierung und der internationale Tierhandel begünstigen die weltweite Ausbreitung von Tierseuchen. Im Jahr 2020 wurde die ASP erstmals bei Wildschweinen im Osten Deutschlands nachgewiesen. Zwar ist das Virus nach aktuellen Erkenntnissen für den Menschen ungefährlich, die Ausbreitung bei Hausschweinbeständen könnte laut Experten jedoch zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden führen. Für die Planung geeigneter Schutzmaßnahmen, wie die Errichtung von Sperrzäunen oder Pufferzonen, braucht es einen möglichst lückenlosen Überblick über die aktuelle Ausbreitungssituation.

Herausforderung Fundortbestimmung

Für diesen Zweck muss jedes tot aufgefundene Schwarzwild an das zuständige Veterinäramt gemeldet werden. Dieses veranlasst dann die Bergung sowie die Beprobung des verendeten Tiers. Damit dieser Prozess reibungslos funktioniert, ist es wichtig, den Fundort so exakt wie möglich zu bestimmen. Das Landratsamt Lichtenfels nutzt dafür den „ppm 10xx GNSS-Sensor“. Dieses Gerät empfängt und verarbeitet die Signale aller globalen Satellitensysteme (GNSS) mit annähernd allen Frequenzen.

Die Tatsache, dass das Wild meistens im Wald aufgefunden wird, macht die Bestimmung der genauen Positionsdaten mit einen Satellitenempfänger zur besonderen Herausforderung. Während der Empfang von Satellitensignalen im freien Feld reibungslos funktioniert, kommt es im Wald oft zu einer sogenannten Abschattung: „Durch Äste und belaubte Bäume wird das Satellitensignal unterbrochen und das führt in der Regel zu Ungenauigkeiten im Messergebnis“ sagt Otto Betz. „Seitdem wir den ppm 10xx GNSS-Sensor im Einsatz haben, tritt dieses Problem praktisch nicht mehr auf.“ Durch die Verwendung mehrerer GNSS steht fast überall ein ausreichendes Signal zur Verfügung.

GIS-basierte Plattform verschafft Überblick

Die zugehörige Software ermöglicht die Integration der Positionsdaten in das RIWA-GIS-Zentrum. Dabei handelt es sich um ein webbasiertes Geoinformationssystem, das der Landkreis Lichtenfels und alle seine kreisangehörigen Städte, Märkte und Gemeinden nutzen. Damit lassen sich die unterschiedlichsten Daten mit einem geografischen Raumbezug speichern, abrufen und visualisieren.

Auch zur Bekämpfung der ASP leistet das GIS wertvolle Hilfe: Findet ein Jäger ein totes Tier, ermittelt er die Koordinaten des Fundortes mit seinem Smartphone und meldet sie an das Veterinäramt. Das Amt trägt sie dann ins RGZ ein und erstellt eine Geonotiz mit Informationen zum Tier, zum Fundort, dem Zeitpunkt der Meldung und zu den Personalien des Jägers. Diese Notiz wird dann vom Datenmanager in die mobile Karten-App für den Außendienst übernommen. Da der Jäger den genauen Fundort nicht mit Smartphone bestimmen kann, ist der Sensor zur exakten Positionsbestimmung von erhöhter Bedeutung.

Sobald die Mitarbeiter des Veterinäramtes ihre Überprüfung vor Ort abgeschlossen haben, ergänzen und korrigieren sie die bisherigen Angaben in der Geonotiz. Anschließend übertragen sie diese ins RGZ und versenden Sie gleichzeitig an den zuständigen Mitarbeiter für den Abtransport des Tieres zur eigens eingerichteten Sammelstelle. Mit der Übertragung in das RIWA-GIS stehen die Daten dann zentral zur Verfügung und können von allen Verantwortlichen eingesehen und ausgewertet werden.

Der Sensor „ppm 10xx“ mit Smartphone.(©  ppm GmbH)
Der Sensor „ppm 10xx“ mit Smartphone.
(© ppm GmbH)

Muss davon ausgegangen werden, dass im Bereich des Fundorts keine Internetverbindung besteht, lässt sich der jeweilige Kartenbereich vorab auf das Tablet übertragen, um vor Ort offline zu arbeiten. Sobald wieder eine Internetverbindung verfügbar ist, werden die Daten ins GIS importiert. Alternativ ist es auch denkbar, dass die zuständigen Jäger die RIWA-KartenApp direkt auf ihrem Smartphone installieren und an dem Fundort selbst eine Geonotiz setzen. Dies setzt aber lizenztechnisch voraus, dass die Jäger im Auftrag des Landratsamtes bei der Bekämpfung der ASP handeln.

Der aktuelle Datenbestand im GIS bietet die perfekte Grundlage, um Maßnahmen gegen die Ausbreitung der ASP schnell zu planen und umzusetzen. Auch für die Bekämpfung weiterer Tierseuchen, wie beispielsweise der Vogelgrippe, sieht sich das Landratsamt Lichtenfels nun bestens gerüstet.

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