gesponsertInterview mit Ulf Glöckner, Group Practice Lead bei Sopra Steria Next, über zentrale Handlungsfelder für den öffentlichen Sektor in Europa Der doppelten Herausforderung begegnen: So wird Europa digital souveräner

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Zu viel Bürokratie, zu wenig Digitalisierung – Europas Verwaltungen stehen unter enormem Druck. Zugleich steigt der Anspruch an digitale, effiziente und bürgernahe Services. Das Positionspapier „Next Perspectives 2025“ von Sopra Steria Next benennt zentrale Handlungsfelder, die für den öffentlichen Sektor entscheidend sind. Ulf Glöckner erklärt im Interview, warum strategische Investitionen überfällig sind – und wie Europa digital souverän werden kann.

Ulf Glöckner verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Beratung für die öffentliche Verwaltung. Zunächst war er über zehn Jahre in der Wirtschaftsforschung und Politikberatung für die für die Prognos AG tätig, seit 2014 als Strategie- und Organisationsberater bei Sopra Steria Next. Seit 2024 nimmt er auf Gruppenebene von Sopra Steria Next die Rolle des Practice Lead Public Sector wahr. (©  Sopra Steria)
Ulf Glöckner verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Beratung für die öffentliche Verwaltung. Zunächst war er über zehn Jahre in der Wirtschaftsforschung und Politikberatung für die für die Prognos AG tätig, seit 2014 als Strategie- und Organisationsberater bei Sopra Steria Next. Seit 2024 nimmt er auf Gruppenebene von Sopra Steria Next die Rolle des Practice Lead Public Sector wahr. 
(© Sopra Steria)

Die öffentliche Verwaltung in Deutschland und Europa steht unter Druck: zu viel Bürokratie, zu wenig Digitalisierung. Wie ist die Lage aus Ihrer Sicht?

Ulf Glöckner: Der öffentliche Sektor in Europa steht vor einer doppelten Herausforderung: Zum einen erwarten Bürgerinnen und Bürger wie auch Unternehmen heute moderne, nutzerfreundliche und durchgängig digitale Verwaltungsdienste. Werden diese Erwartungen nicht erfüllt, droht ein Vertrauensverlust – und damit auch ein Rückgang demokratischer Legitimität. Gleichzeitig muss der öffentliche Sektor in der Lage sein, auf Krisen resilient zu reagieren. Die zunehmende globale Instabilität legt offen, in welchem Maß Europa von externen Technologien und Anbietern abhängig ist – und wie sehr diese Abhängigkeiten die strategische Souveränität untergraben können. Es geht also um funktionierende Services im Alltag als auch gleichzeitig um die Fähigkeit, in Ausnahmesituationen selbstbestimmt und handlungsfähig zu bleiben.

Wie lässt sich dieser doppelten Herausforderung begegnen?

Ulf Glöckner: Durch das richtige Zusammenspiel von Fokus auf technischen Entscheidungen und gleichzeitiger Befähigung der Menschen. Künstliche Intelligenz, Cloud-Technologie und Quantencomputing sollten bei technologischen Investitionsentscheidungen Priorität erhalten. Das sichert technologische Souveränität und birgt Reindustrialisierungspotenziale. Gleichzeitig werden moderne Führung, starke digitale Kompetenzen in den Behörden, aber auch europäische Standards benötigt, damit die Lösungen interoperabel, vertrauenswürdig und zukunftsfähig sind.

Die digitale Identität gilt als eine der zentralen Technologien. Warum ist sie so bedeutend und gleichzeitig so herausfordernd?

Ulf Glöckner: In den digitalen Identitäten materialisiert sich das Ziel einer modernen Verwaltung für Bürgerinnen und Bürger besonders deutlich. Digitale Identitäten sind künftig der Zugangspunkt zur Verwaltung in Europa. Die eIDAS-2.0-Verordnung sieht vor, dass alle EU-Mitgliedsstaaten ihren Bürgerinnen und Bürgern bis 2026 sogenannte European ­Digital Identity Wallets anbieten müssen, mit der sie sich dann on- wie offline und in fast allen Lebensbereichen ausweisen können. In Ländern wie Dänemark oder Schweden sind digitale Identitätssysteme bereits Standard. In Europa liegt die Nutzungsquote im Durchschnitt bei 40 Prozent, in Deutschland bei unter zehn Prozent. Es gilt, die Aktivitäten länder­übergreifend aufeinander abzustimmen, um ein einheitliches System in Bezug auf technische­ Standardisierung, Interoperabilität, Datenschutz und Sicherheit zu schaffen.

Wie lässt sich das Vertrauen in digitale Leistungen stärken?

Ulf Glöckner: Vertrauen entsteht, wenn Bürgerinnen und Bürger nachvollziehen können, wie mit ihren Daten umgegangen wird, und sie die Kontrolle behalten. Hohe Sicherheitsstandards, Transparenz und der Schutz individueller Rechte sind dafür zentral. Entscheidend ist aber auch, dass die Verwaltung als Dienstleister auf Augenhöhe wahrgenommen wird. Daher sind digitale Kompetenzen eine Voraussetzung für die Teilhabe. Programme wie „Digital Skills and Jobs“ und „Horizon Europe“ setzen sich dafür ein, die digitale Kluft zwischen den Mitgliedsstaaten zu überwinden.

Ein besonders sensibler Bereich ist die Nutzung von Gesundheitsdaten. Was verspricht der europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS)?

Ulf Glöckner: Ein weiteres gutes Beispiel, wie durch digitale Bürgerservices europaweit ein modernes Nutzungserlebnis sicher angeboten werden soll. Die Idee ist, dass Patientendaten grenzüberschreitend verfügbar werden, etwa wenn ein französischer Tourist in Italien behandelt wird. Auch die Forschung würde von anonymisierten Daten profitieren. Damit das gelingt, braucht es allerdings harmonisierte Governance-Strukturen, eine leistungsfähige technische Infrastruktur und ein hohes Maß an öffentlichem Vertrauen. EHDS soll sowohl die Versorgung verbessern als auch die Forschung stärken – bei gleichzeitiger Wahrung von Datenschutz und Patientensouveränität.

Ein Bereich, der oft unterschätzt wird, ist GovTech. Warum sollten Verwaltungen sich stärker mit Start-ups vernetzen?

Ulf Glöckner: Auf der einen Seite, weil sie dadurch schneller, flexibler und unabhängiger werden. Auf der anderen Seite ist das GovTech-Ökosystem aber vor allem ein gewaltiger Hebel für unsere Souveränitätsbestrebungen. Stellen Sie sich GovTech-Startups als externe Forschungs- und Entwicklungsabteilungen vor – hochinnovativ und dynamisch, aber außerhalb der manchmal bremsenden Rahmenbedingungen großer Technologiekonzerne. Das Modernisierungspotenzial für den öffentlichen Sektor in Europa ist riesig. Aber wir nutzen es noch nicht konsequent genug: In Europa gibt es über 2.000 GovTech-Startups – aber unser Anteil am Weltmarkt liegt bei mageren sieben Prozent. Die größten Hürden sind zu komplexe Beschaffungsprozesse, fehlende Finanzierungsmodelle und mangelnde Skalierung. Die EU-Initiative „Interoperables Europa“ will unter anderem das ändern.

Digitalisierung bietet viele Chancen – aber auch neue Risiken. Wie gut ist Europas öffentliche Verwaltung gegen Cyberangriffe gewappnet?

Ulf Glöckner: Bezogen auf unser Bild mit der doppelten Herausforderung ist Cybersicherheit natürlich ein Fundament – nicht nur für die digitale Souveränität, sondern auch für die gesellschaftliche Stabilität. Die zunehmende Digitalisierung hat die Angriffsflächen vergrößert. Öffentliche Verwaltungen sind längst ein Hauptziel für Cyberbedrohungen. Wir brauchen eine Sicherheitsarchitektur, die Prävention, Detektion und Reaktion zusammendenkt mit verpflichtenden Schutzkonzepten, KI-gestützter Bedrohungserkennung und kontinuierlicher Schulung von Mitarbeitenden.

Weitere Informationen

Haben Sie Interesse, mehr über die zentralen Handlungsfelder der öffentlichen Verwaltung zu erfahren? Die kompletten Next Perspectives stehen hier zum Download zur Verfügung:

Zu den Next Perspectives

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