Anwenderbericht msg/Bundesverwaltungsamt Unterstützung der Flexibilisierung der Software Factory des Bundesverwaltungsamts

Autor / Redakteur: Andreas Büchner / Susanne Ehneß

Mit einer Software Factory lassen sich IT-Anwendungen und Anwendungslandschaften schneller umsetzen, da sie die grundliegende Architektur, Methodik und Lösungen bereitstellt. Nutzer erzielen so Effizienzvorteile durch Kostenreduzierung und Zeitersparnis und benötigen weniger IT-Expertise im Vergleich zu einer proprietären Lösung.

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(Bild: msg)

Das Bundesverwaltungsamt hat sich zum Ziel gesetzt, seine Register Factory zu flexibilisieren und den etablierten Standard für IT-Systeme universell verfügbar zu machen.

Dabei setzt man erstmals auf eine Open-Source-Stellung der Software, um ein komplettes Ökosystem mit Anwendungen von weiteren Anbietern zu schaffen.

Eine Referenzarchitektur für Behörden und darüber hinaus

Die Register Factory ist ein vom BVA entwickelter Standard für Register, der im „Registerportal BVA“ genutzt und anderen Institutionen zur Verfügung gestellt wird. Im Jahr 2013 gewann das IT-Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen msg systems einen Rahmenvertrag, der unter anderem vorsieht, die Weiterentwicklung der Register Factory konzeptionell zu unterstützen.

Ziel dabei ist es, auf Basis der Register Factory einen flexibleren Standard zu entwickeln, der sich nicht ausschließlich für Register, sondern für eine Vielzahl weiterer Verfahren einsetzen lässt. Zudem sollte ein Teil des Codes unter einer Open-Source-Lizenz zur Verfügung gestellt werden, um diesen leichter zugänglich zu machen, den Nutzerkreis zu erweitern und den Code kontinuierlich zu verbessern.

Register Factory: Blaupause für spezifische Einsatzszenarien

Register kommen in den meisten öffentlichen Verwaltungen zum Einsatz, da sie eine effiziente, strukturierte und standardisierte Dokumentation auch großer Datenvolumen ermöglichen. Es werden hohe Anforderungen hinsichtlich Kapazität, Verlässlichkeit und Sicherheit an sie gestellt. Die über mehrere Jahre vom BVA weiterentwickelte Register Factory bildet die Basis für geschäftskritische Anwendungen, ist aber kein abgeschlossenes System. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Baukasten, der es ermöglicht, Register auf Grundlage einer bewährten Referenzarchitektur und erprobter Methoden zu entwickeln.

Spezifische Funktionen – etwa das Regelwerk – lassen sich je nach Bedarf als Baustein hinzufügen. Schätzungen zufolge können mit der Register Factory, aufgrund des hohen Grads der Standardisierung, circa 30 Prozent an Entwicklungskosten eingespart werden im Vergleich zu einer proprietären Lösung.

Das BVA hat bereits zahlreiche Verfahren und IT-Systeme entwickelt und dabei festgestellt, dass die Register Factory die nötigen Voraussetzungen mitbringt, um eine einheitliche und behördenübergreifende Plattform für homogene IT-Systeme darzustellen. Allerdings waren zahlreiche Elemente stark mit dem Kontext „Register“ verwoben und auf die dort geltenden hohen nicht-funktionalen Anforderungen ausgerichtet, was zu unnötigen Beschränkungen des Einsatzes führte. msg wurde Ende 2013 damit beauftragt, die nötige Flexibilität für weitere Anwendungsszenarios zu integrieren – ohne die Vorteile der Standardisierung zu vernachlässigen.

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IsyFact: Flexibilisierung eines etablierten Standards

Die konzeptionelle Weiterentwicklung der Register Factory zur neuen Software Factory „IsyFact“ wird von einem erfahrenen Team der msg unterstützt. „Für uns liegt die besondere Herausforderung darin, auf der bewährten Basis gemeinsam mit dem BVA einen neuen Standard zu schaffen, der flexibel in unterschiedlichsten Kontexten einsetzbar ist. IsyFact als Open-Source-Projekt zu konzipieren, um den Standard auch Unternehmen und Privatpersonen verfügbar zu machen, ist in diesem Umfang sicherlich ein Novum im öffentlichen Sektor“, so Andreas Büchner, Lead IT Consultant bei msg. Ziel ist es, mit IsyFact eine universelle Software Factory zu schaffen, mit der Anwendungen standardisiert und damit zeitsparend entwickelt werden können.

Zu Beginn des Projekts wurden zuerst lizenzrechtliche Aspekte geklärt, gefolgt von der Auswahl, welche Teile aus der Register Factory herausgelöst und für weitere Szenarios verfügbar gemacht werden sollten.

Nach Umsetzung der Anpassungen und Klärung rechtlicher Fragen erfolgte im Juni 2015 die Finalisierung und die Open-Source-Stellung der IsyFact-Standards als erster großer Meilenstein. „Mit den IsyFact-Standards stellen wir eine bewährte architektonische und technologische Basis zum effizienten und einheitlichen Bau von IT-Systemen bereit. Dies bildet die Grundlage für die Entwicklung und Veröffentlichung weiterer Bausteine“, erläutert Ralf Leonhard, verantwortlicher Chefarchitekt des BVA.

Die Vision: Ein Open-Source-Ökosystem

Im Ergebnis ist IsyFact eine einheitliche Plattform, auf der Behörden auch mit wenigen Ressourcen ein Anwendungssystem aufsetzen können – bei deutlich geringerer Umsetzungszeit. IsyFact besteht zum einen aus Standards, sprich allgemeingültigen Komponenten wie etwa Vorgaben zur Fehlerbehebung, Logging und der Referenzarchitektur insgesamt. Darauf aufbauend kommen die Erweiterungen für spezifische Anforderungen, beispielsweise zur Protokollierung, hinzu. Die Register Factory selbst ist seither eine spezifische Ausprägung, die auf dem neuen Standard IsyFact aufsetzt.

Die Vorteile der Open-Source-Stellung und das langfristige Ziel fasst Ralf Leonhard wie folgt zusammen: „IsyFact bietet zahlreiche neue Einsatzmöglichkeiten. Indem wir ihre Standards als Open Source verfügbar machen, erhöhen sich ihr Verbreitungsgrad und ihre Attraktivität für andere Behörden, Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Unsere Vision ist es, dass wir in Zukunft einen Markt für freie Software von Drittanbietern etablieren, die auf Basis der IsyFact-Standards weitere kompatible Komponenten für ein umfassendes Ökosystem entwickeln. Zudem ermöglicht uns die IsyFact aufgrund ihrer hohen Standardisierung schon heute, homogene Anwendungen effizient zu entwickeln, zu betreiben und klare Kriterien für deren Weiterentwicklungen festzusetzen.“

„Wir sind sehr zufrieden, diesen ersten wichtigen Meilenstein der IsyFact erreicht zu haben. Auf dieser Grundlage werden wir gemeinsam mit msg weiter daran arbeiten, den Einsatz der IsyFact in unterschiedlichen Kontexten weiter zu vereinfachen, und ihren Umfang kontinuierlich erweitern“, ergänzt Günter Kretschmar, bis Juli 2015 Leiter der Zentralabteilung des BVA.

Nähere Informationen zur IsyFact finden Sie online.

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