Statt CO2 mehr Effizienz IT-Dienstleister der Kirchen setzt auf Umweltschutz

Redakteur: Gerald Viola

Das EDV-Centrum für Kirche und Diakonie (ECKD) baut mit Unterstützung von T-Systems ein Rechenzentrum der nächsten Generation. Die Architektur folgt der Cisco-Vision Data Center 3.0 und nutzt – erstmals im kirchlichen Raum – Cisco Nexus-Switches und das neuartige Unified Computing System. Im Ergebnis entsteht eine extrem energieeffiziente, sichere und skalierbare Plattform für jeden nur denkbaren IT- und Kommunikationsservice. Das neue ECKD-Rechenzentrum zeigt eindrucksvoll, wie ökonomische und ökologische Ziele in Einklang gebracht werden können.

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Das ECKD mit Sitz in Offenbach und Niederlassungen in Berlin, Hamburg, Kassel und Suhl gilt bundesweit als einer der führenden IT-Dienstleister im kirchlichen Raum. Hauptgesellschafter sind die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, die Evangelische Kreditgenossenschaft eG, die Nordelbische Evangelisch–Lutherische Kirche und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Aber auch immer mehr Kunden aus dem katholischen Umfeld und dem öffentlichen Sektor vertrauen auf die individuell zugeschnittenen Angebote des ECKD. Der Geschäftsführer der ECKD GmbH ist Willi Hanselmann.

Eigenes Rechenzentrum: Kunden ein Stück näher

„Die IT-Anforderungen im Bereich Kirche, Caritas und Diakonie sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen“, berichtet Michael Otto, Bereichsleiter Meldewesen, IT und Fundraising beim ECKD. Die Digitalisierung von Abläufen schreitet in kirchlichen Organisationen genauso schnell voran wie in Öffentlichen Verwaltungen und der Privatwirtschaft.

Bereits seit Jahren unterstützt das ECKD diesen Trend durch einen sicheren Kirchenanschluss auf Basis eines Cisco-Netzwerks, sowie speziell auf die Kunden zugeschnittene Intranet- und Hosting-Lösungen. Die durchweg ISO-zertifizierten IT-Dienstleistungen wurden bisher in Kooperation mit einem kommunalen Rechenzentrum bereitgestellt.

„Das hat sich inzwischen geändert“, fährt Michael Otto fort. „Wir haben ein eigenes Data Center aufgebaut, um reaktionsschneller zu sein, die Servicequalität zu verbessern und unser Angebotsspektrum zu verbreitern.“ Ohne externen Betreiber sind die Kommunikationswege zwischen Kunden und ECKD kürzer.

Anpassungen der IT an veränderte Kundenprozesse können flexibler umgesetzt und Störungen schneller behoben werden. Da die Kommunikation mit einem zwischengeschalteten Partner in Zukunft wegfällt, profitieren die ECKD-Mitarbeiter von einem spürbaren Zeitgewinn. Allein schon deshalb erwartet Michael Otto einen signifikanten Produktivitätsanstieg im neuen Rechenzentrum.

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Die Virtualisierung zu Ende gedacht

Neues Rechenzentrum – was so bescheiden klingt wie eines unter vielen – ist in Wahrheit ein Innovationsexempel, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Die Architektur der ECKD-Hightech-Zentrale hat kaum noch etwas gemein mit dem klassischen Aufbau eines herkömmlichen Rechenzentrums. Sie basiert stattdessen auf dem Cisco-Modell Data Center 3.0, womit insbesondere physische Abhängigkeiten zwischen Serverhardware, Speichersystemen und Netzwerk weitgehend aufgehoben sind.

„Dank umfassender Virtualisierung, die sich auf alle Infrastrukturebenen erstreckt, können sich ineffiziente und unflexible Silostrukturen erst gar nicht bilden“, erläutert Michael Otto.

„Virtualisierung erlaubt eine klare Trennung der logischen Sicht von der physischen Ebene. Verschiedene Kundenanwendungen können dadurch flexibel, ihrem momentanen Bedarf gemäß, mit Rechenleistung und Speicherplatz versorgt werden.“ Je weiter die Virtualisierung im Rechenzentrum fortschreitet, desto höher steigt der Auslastungsgrad von Prozessor-, Storage- und Netzwerkressourcen. Entsprechend weniger ungenutzte IT-Kapazitäten müssen in Betrieb gehalten und stromintensiv gekühlt werden, was wiederum Investitions- und laufende Kosten nachhaltig begrenzt.

Zu den innovativsten Bausteinen der ECKD-Architektur zählen nach Michael Ottos Meinung das Cisco Unified Computing System (UCS) und die virtuellen Cisco-Switches Nexus 1000V.

„Strategien zur IT-Virtualisierung gibt es viele, aber keine davon hat Virtualisierung so konsequent zu Ende gedacht wie Cisco UCS in Verbindung mit VMware vSphere 4“, ist der Bereichsleiter überzeugt. Das Unified Computing System vereinheitlicht das Management für virtualisierte Server-, Storage- und Netzwerkressourcen in einem kompakten System, das sich äußerlich – abgesehen von der Verkleinerung – kaum von einem gängigen Achter-Blade-Rack unterscheidet.

„Im UCS jedoch sind Blade-Server extrem dicht gepackt“, so Michael Otto weiter. „Wir bringen auf derselben Rack-Fläche doppelt so viele leistungsfähige Blades unter wie früher und verringern so beträchtlich unseren Kühlungsbedarf. In älteren Rechenzentren läge der Stromverbrauch bei gleicher Rechenleistung um das Vierfache höher.“

Selbst Switches werden virtuell

Die Entscheidung für die Cisco-Architektur Data Center 3.0 wurde gerade auch von derartigen ökologischen Erwägungen mitbestimmt. Innovative IT, so lautet die Auffassung des ECKD, kann einen entscheidenden Beitrag leisten zur Reduktion von klimaschädlichen CO2-Emissionen.

Virtualisierung in dieser oder jener Form wird heutzutage weltweit in tausenden Rechenzentren praktiziert. Aber: Virtualisierung ist nicht gleich Virtualisierung. Vielerorts mündet der Versuch, IT-Ressourcen besser auszulasten, in unerwartet steigende Komplexität. Denn oftmals bieten unterschiedliche Lösungen für verschiedene Infrastrukturbereiche keine hinreichend integrierten Managementschnittstellen. Das erhoffte Plus an Flexibilität bleibt dann Illusion; der höhere Auslastungsgrad wird durch steigenden Administrationsaufwand erkauft.

Genau dies bleibt beim ECKD dank der ganzheitlichen Virtualisierungsstrategie ausgeschlossen – wie Michael Otto am Beispiel der virtuellen Switches Cisco Nexus 1000V erläutert: „Es handelt sich hierbei um eine reine Software-Implementierung, die nahtlos in die VMware-Virtualisierungslösung vSphere für ESX-Server eingebettet ist. Wir können richtlinienbasierende Netzwerk-Services, wie man sie von Hardware-Switches kennt, auch auf jede virtuelle Maschine anwenden.

Die virtuellen Server selbst lassen sich mit ihrer Netzwerkanbindung bei laufendem Betrieb nahezu beliebig auf der physischen Serverfarm hin und her verschieben. Auch deren Wartung erfolgt absolut unterbrechungsfrei.“ Ein virtueller Nexus-Switch wird gemeinsam und daher hocheffizient mit anderen Cisco Nexus- und Catalyst-Switches verwaltet und bietet zudem sehr einfache Skalierungsmöglichkeiten.

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Plattform für neue Geschäftsfelder

Skalierbarkeit spielt im neuen ECKD-Rechenzentrum nicht nur deshalb eine Rolle, weil eine stetig wachsende Kundenzahl zu betreuen ist, sondern ist auch für die Erweiterung des Portfolios wichtig. So ist beispielsweise bereits der Cisco Unified Communications Manager installiert – zunächst als hauseigene Plattform für Voice-over-IP. „Außer unseren klassischen Angeboten für das kirchliche Melde-, Personal- sowie Finanzwesen und den IT-Services-Bereich können wir damit künftig auch IP-Telefonie und andere Collaboration-Formen als Managed Services anbieten“, plant Michael Otto.

Kleine Gemeinden wie auch kirchliche Spitzeninstitutionen können dann innovative Lösungen über ihren gesicherten ECKD-Kirchenanschluss als bedarfsgerechte Dienstleistung in Anspruch nehmen. Vor Ort wird dafür keinerlei spezielle Infrastruktur gebraucht. Stattdessen bringt das Netzwerk die gewünschten Funktionen ohne Einstiegsinvestition ins Haus. In der Sprache der Betriebswirtschaft ausgedrückt: An die Stelle meist schwer kalkulierbarer variabler Ausgaben treten planbare Fixkosten.

Darüber hinaus bietet netzwerkbasierende Collaboration auch weitreichende ökologische Chancen. Denn neben Sprachsignalen überträgt die IP-basierende ECKD-Plattform auch jede andere Art von digitalisierter Information – insbesondere Videobilder. „Cisco Unified Communications ermöglicht damit unterschiedlichste Formen integrierter Audio-, Web- und Videokonferenzen“, erläutert Dorothe Brohl, Account Manager bei Cisco. „Kirchliche Organisationen können die standortübergreifende Zusammenarbeit intensivieren und auf diese Weise ihre Reisetätigkeit einschränken“, so Brohl. Nicht umsonst gilt Collaboration heute als einer der wichtigsten Hebel, um reisebedingte CO2-Emssionen in fast allen Lebensbereichen zu minimieren.

Gelebte Partnerschaft

Was macht einen ECKD-Kirchenanschluss so sicher? Wie bleiben sensible Daten und vertrauliche Kommunikationsinhalte geschützt? „Durch die Cisco Adaptive Security Appliance ASA 5500“, antwortet Gottfried Ostendorf, Sales Manager IT im Vertriebsteam Kirchen und Soziales von T-Systems. „ASA 5500 vereint wichtige Sicherheitsfunktionen wie Firewalling, Datenverschlüsselung und Netzwerkauthentifizierung in einem hochkompakten, effizient administrierbaren Netzwerkgerät. Die Integration möglichst vieler Dienste in das Netzwerk reduziert übrigens erneut den Energieverbrauch und ist ein weiterer Mosaikstein für die Green-IT-Ambition des ECKD.“

T-Systems agiert als Generalunternehmer für das ECKD und hat in dieser Rolle Anteil an Planung, Design und Implementierung des neuen Rechenzentrums. „Es ist ja keineswegs selbstverständlich, dass ein Dienstleister wie wir, sich für hochinnovative Technologien entscheidet, die eben erst ihre Marktreife erlangt haben“, kommentiert Michael Otto.

„Wir waren uns der Risiken wohl bewusst und haben den Schritt dennoch gewagt. Möglich war das nur mit einem Partner wie T-Systems an der Seite, der ein Gutteil dieser Verantwortung übernahm und – wo notwendig – weitere Technologiepartner mit ins Boot holte.“ Nur derart zukunftsorientierte Anwender, die nicht erst abwarten, bis innovative Technologien sich bei anderen bewährt haben, geben eben diesen Technologien eine Chance, den Markt schnell zu erobern – zum Wohle der Kunden und der Umwelt.

Dr. Kirsten Wiese

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