Drei Jahre KoSIT – und wie geht es weiter? Arbeiten an der Infrastruktur von eGovernment

Redakteur: Manfred Klein

Erfolgreiche eGovernment-Projekte brauchen offene Standards. In Deutschland unterstützt und koordiniert die Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) entsprechende Standardisierungsvorhaben. Drei Jahre nach Gründung der KoSIT ist es an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen.

Anbieter zum Thema

(init / Colourbox.com)

Die deutsche Verwaltung hat in den vergangenen 15 Jahren viele eGovernment-Projekte erfolgreich umsetzen können. Der Aufbau eines flächendeckenden Informationssystems der Meldebehörden, die immer stärkere Verbreitung des elektronischen Rechtsverkehrs und die Umstellung auf die elektronische Registerführung im Personenstandswesen gehören dazu. Ihnen allen ist gemeinsam, dass offene Standards genutzt werden, um unterschiedliche IT-Verfahren miteinander zu vernetzen.

Mammutaufgabe

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Vorgabe der im föderalen Kontext erforderlichen Standards zu den Hauptaufgaben des IT-Planungsrats zählt. Um diese Aufgabe optimal zu erfüllen, wurde im Zuge der Gründung des Gremiums die Bremer OSCI-Leitstelle zum April 2011 in die Koordinierungsstelle für IT-Standards überführt.

Im Auftrag des IT-Planungsrats unterstützt sie Standardisierungsvorhaben der deutschen Verwaltung und koordiniert deren Aktivitäten. Darüber hinaus ist die KoSIT auch für andere Stellen der Öffentlichen Verwaltung wie zum Beispiel die Innenministerkonferenz tätig.

Standardisierung erfolgreich organisieren

Es bedurfte einer Änderung des Grundgesetzes, um die rechtlichen Rahmenbedingungen für die koordinierte Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in IT-Angelegenheiten zu schaffen. Seitdem ist die Festlegung von IT-Sicherheits- und IT-Interoperabilitätsstandards eine der Hauptaufgaben des IT-Planungsrats.

Zu diesem Zweck wurde die KoSIT vom IT-Planungsrat beauftragt, eine Standardisierungsagenda zu entwickeln. Darin werden die Standardisierungsaktivitäten des Planungsrats geführt. Sie beantwortet die wichtige Frage, wie man für die gesamte deutsche Verwaltung geltende Standardisierungsbedarfe erfasst, klassifiziert und in transparenter und planmäßiger Vorgehensweise löst.

Dazu hat die Kosit zusammen mit Experten des Bundes und der Länder ein Regelwerk entwickelt, dessen wichtigster Grundgedanke lautet: Erst wenn der Standardisierungsbedarf präzise beschrieben und abgestimmt ist, wird mit der Suche nach einer Lösung begonnen. Was sich so einfach anhört, stößt in der Praxis auf viele Schwierigkeiten.

Jede verbindliche Vorgabe eines Standards kann weitreichende Folgen für bestehende IT-Verfahren mit sich bringen. Dieser Herausforderung kommt der IT-Planungsrat durch Koordinierung in Richtung der Fachministerkonferenzen nach. Dort sind IT-Fragen unterschiedlich gewichtet.

So ist beispielsweise die Innenverwaltung mit ihren Überlegungen zur Vereinheitlichung von Standardisierungsvorhaben bereits weiter gediehen. Ihr Plan ist, die bisher getrennten Standardisierungsvorhaben des Ausländer-, Melde- und Personenstandswesens unter einem Dach zu vereinen. Die designierte Betreiberin ist die KoSIT.

XÖV-Rahmenwerk

Wenn es gelingt, die Vielfalt der von Softwareherstellern und Behörden eingesetzten Datenformate in einen offenen Standard zu überführen, ist viel erreicht. Die KoSIT leistet diese Aufgabe vor allem in der Innenverwaltung, zum Beispiel im Meldewesen.

Um sicherzustellen, dass die Vielzahl der eingesetzten Standards auch untereinander harmoniert, gibt die KoSIT im Auftrag des IT-Planungsrats das XÖV-Rahmenwerk heraus. Es definiert für alle XÖV-Standards eine einheitliche Methodik und bindet gemeinsame Bausteine ein.

Welche Bedeutung dieser Grundlagenarbeit eingeräumt wird, zeigt die jährlich in der Bremer Bürgerschaft veranstaltete XÖV-Anwenderkonferenz. Dort diskutiert die KoSIT mit Fachleuten aus dem gesamten Bundesgebiet über Erfahrungen und Perspektiven bei der Anwendung des XÖV-Rahmenwerkes.

Hilfsmittel

Standardisierungsvorhaben der deutschen Verwaltung können auf zahlreiche von der KoSIT im Auftrag des IT-Planungsrats bereitgestellte Werkzeuge und Lösungskomponenten zurückgreifen. Diese senken Entwicklungs- und Umsetzungskosten.

So werden jährlich Millionen Nachrichten über die vom IT-Planungsrat bereitgestellte sichere Infrastruktur übermittelt, die letztlich auf dem von der KoSIT betreuten Standard OSCI basiert. Dazu gehört auch das im elektronischen Rechtsverkehr etablierte Verfahren zum elektronischen Gerichts- und Verwaltungspostfach (EGVP).

Zusammen mit anderen Lösungen wie De-Mail und dem Verbindungsnetz, entstand unter der Mitwirkung der KoSIT ein umfassendes Angebot für die sichere Datenübermittlung im eGovernment.

Standardisierungsvorhaben profitieren aber auch von technischen Produkten der KoSIT. So können Behörden unentgeltlich eine Software zur Entwicklung XÖV-konformer Fachstandards auf Basis des XÖV-Rahmenwerkes nutzen. Zudem betreibt die KoSIT ein zentrales Verzeichnis der XÖV-Standardisierungsvorhaben. Dieses verhindert Doppelentwicklungen und fördert die Wiederverwendung bewährter Lösungen.

Leitlinien

Die Arbeit der KoSIT orientiert sich an bewährten Leitlinien:

  • Bedarfsorientierung: Standardisierung ist kein Selbstzweck. Erst nach einer technik- und lösungsneutralen Bedarfsbeschreibung initiiert die KoSIT Standardisierungsvorhaben. Nur so bleibt die Suche nach zum Bedarf passenden Standards nachvollziehbar, lässt sich rechtfertigen und steuern.
  • Offenheit und Transparenz: Die Standardisierung findet in einem transparenten Prozess statt. Häufig erfolgt die Anwendung der Ergebnisse durch die öffentliche Verwaltung auf Basis verbindlicher Rechtsnormen. So wird Verlässlichkeit und Investitionssicherheit gewährleistet.
  • Vereinheitlichung: Von der KoSIT koordinierte Standardisierungsprojekte sollen Interoperabilität auf rechtlicher und organisatorischer Ebene fördern. Im Fokus der KoSIT liegt die Gewährleistung der Interoperabilität auf semantischer und technischer Ebene.

(ID:42548048)